Durchsuchen nach
Autor: Kerstin Kolvenbach

Tag 676-697 | Sabancuy, Villamar, Campeche / Merida, Yucatan, Mexico

Tag 676-697 | Sabancuy, Villamar, Campeche / Merida, Yucatan, Mexico

Für drei Tage ging es in den Bundesstaat Campeche. Das unser Aufenthalt dort so kurz ausgefallen ist, liegt vor allen Dingen daran, dass wegen COVID noch viel geschlossen ist und die Campingmöglichkeiten dazu auch nicht die grandiosesten sind.

Von Palenque aus checkten wir erst einen anderen Spot an einem See, aber dort hätten wir quasi auf der Uferpromenade gecampt und das war uns dann doch ein bisschen zu krass. Also gings in einer großen Fahrt bis zur Karibik. Das erste Mal seit unserer Abfahrt in Halifax vor 670 Tagen erreichten wir den Atlantik. Der ist hier karibisch grün-blau und ganz genau genommen der Golf von Mexico.

Etwas abseits der Straße fanden wir eine verlassene Palapa, leider auch viel Müll, pipiwarmes Wasser und weißen feinen Sand. 

Hier wollten wir bleiben und genossen den Abend und den Sonnenuntergang vor wundervoller Kulisse. Chico freute sich auch ganz besonders wieder am Meer zu sein. Hier ist er einfach in seinem Element, saust durch den Sand und erklettert was es zu erklettern gibt.

Wir hatten vor mehr als eine Nacht zu bleiben. Daraus wurde dann aber nix. Vormittags, nach einer Nacht mit Wellenrauschen, tauchten zwei Herrschaften auf, die das Stück Land (Mexicos Strände gehören dem Staat!) als ihres bezeichneten und Geld sehen wollten. 150 Pesos pro Kopf. Viel zu viel dafür, dass es keinerlei Infrastruktur gab. Wir entschieden uns die Diskussion über Landbesitz und Sinnhaftigkeit dieser Aktion zu lassen und weiter zu fahren. 

Auch gut. So machten wir uns auf den Weg Richtung Campeche Stadt und fuhren wann immer möglich auf Sandpisten Richtung Strand. Gegen Mittag wurden wir fündig. Eine alte Straße, die irgendwann einfach zugewuchert ist, führte uns ein paar Kilometer ins Nirgendwo. Mit Allrad gings dann auf den Strand und nochmal einen Kilometer die Küste runter. Wir waren uns sicher, dass wir hier ungestört sind und tatsächlich sahen wir in den nächsten zwei Tagen niemanden. 

Wir genossen das Meer und die Aussicht, die Ruhe und den Wind.

Dann ging es weiter über Campeche bis nach Pomuch wo wir einen etwas ungewöhnlichen Ausflug auf den Friedhof machten. Hier gibt es den Brauch die Toten nach einer bestimmten Anzahl von Jahren wieder aus ihren Gräbern zu holen, die Knochen zu säubern und die Überreste in Holzkisten in die nun offenen Gräber zu stellen. Irgendwie ein bisschen gruselig und definitiv nix, was man auf einem Friedhof normalerweise erwartet.

Weiter wollten wir uns ein paar Ruinen anschauen, aber die Ruine von Uxmal überraschte uns mit unglaublich hohen Eintrittsgeldern und die andere war geschlossen wegen COVID. Also ging es ungeplant direkt weiter in den Bundesstaat Yucatan und in die Stadt Merida, wo wir in einem tollen Hostel für umgerechnet 5 € pro Person im Garten campen durften.

In Merida angekommen, lief der Schweiß. Chico hatte sich schon in die Kühlbox aufs Eis gelegt. Das Thermometer zeigte 45 Grad an und wir sprangen erst mal in den Pool.

Abends gings ins deutsche Brauhaus und es gab Wiener Schnitzel mit deutschem Bier. Fühlte sich fast wie zu Hause an.

Es kühlte einfach nicht ab und wir fragten uns, wie wir das wohl die nächsten Tage und Wochen durchstehen. In Merida planten wir unseren letzten längeren Stop in Mexico und wollten alles für Mittelamerika vorbereiten. Wer uns kennt, weiß, dass es uns eigentlich nur noch in die Städte verschlägt, wenn wir ihre Ressourcen brauchen. Und unsere Liste für Merida war lang.

Dienstags stoppten wir beim deutschen Mechaniker Oliver, mit dem wir gemeinsam Bruno durchcheckten. Oliver war sofort aufmerksam, als wir auf den Hof fuhren und all unserer Pläne zum Trotz, wollte er sich erst die Steuerkette anschauen, da er das Geräusch nicht gut fand. Wir waren mehr als einverstanden, denn auch wir hatten ja schon seit La Ticla ein schlechtes Gefühl. Das überspringen der Kette bedeutet einen Totalschaden und wir bräuchten dann einen neuen Motor und wer weiß was sonst noch. Vermutlich würde das das Ende unserer Reise und im Zweifel auch die Aufgabe von Bruno bedeuten. Das wollten wir mit allen Mitteln vermeiden. 

Oliver war super und nach dem Betrachten des automatischen Kettenspanners und der zerschundenen Gleitschienen war klar, die Kette war gelängt und der Spanner kaputt oder zumindest bis aufs Maximum ausgefahren. 

Wir schauten uns dann noch das Ventilspiel des Motors an, reinigten einige Filter, machten diverse Ölwechsel, reparierten den klemmenden Gaszug und kehrten Abends ziemlich K.O. und dreckig ins Hostel zurück.

Bis tief in die Nacht recherchierten wir dann Teile und Möglichkeiten diese bis nach Mexico zu bekommen. Um 3 Uhr Nachts waren wir um mehrere Hundert Euro ärmer, die Teile in China bestellt und wenn alles glatt laufen würde, würden wir 10 Werktage später ein Paket von FedEx in den Händen halten. 

Es galt also inklusive Wochenende 2 Wochen tot zu schlagen und wir arbeiteten weiter unsere Liste ab.

Als erstes ging es zum Optiker und wir suchten für Hanno eine neue Brille aus. Seine hatte ordentlich gelitten in letzter Zeit und Hanno vermisste es den Durchblick zu haben. Wir waren begeistert von der Professionalität des Brillenstudios und ich finde mit der neuen Brille sieht er nach einem sehr charmanten, netten, jungen Mann aus (was er natürlich auch ist 😉 )

Dann hieß es noch eindecken mit günstigen KN95 Masken in allen Farben. Weiß ist nicht so klasse, wenn man im Dreck spielt oder dauernd in der Motorhaube hängt.

Online fanden wir dann auch, nach vergeblicher Suche in Baumärkten und Farbenshops, 100% Alkohol zum Kochen. Der Verkäufer schickte die 20 L mit dem Label „Destilliertes Wasser“ und wir waren froh, als das Paket trotz dieser Schummelei ankam, wenn auch in einer anderen Filliale als gedacht. Wir fuhren mit einem Uber wiedermal quer durch die Stadt.

Ein weiterer Punkt, der bereits ein paar Monate auf unserer Liste stand, war ein neuer Schrank über dem Fußende. Die Hängeregale waren kaputt und ausgeleiert und wir waren es satt nach jeder Fahrt den Inhalt wieder einzuräumen, der sich quer auf dem Bett verstreute. Innerhalb von 3 Tagen kauften wir alle Materialen, bauten und strichen den Schrank und hängten ihn an die Wand. Trotz widriger Bedingungen ist er ziemlich klasse geworden, finde ich, und bisher auch nicht von der Wand gefallen.

Aus den Reststücken haben wir außerdem noch ein „Nachtschränkchen“ gebaut und die ehemaligen Filztaschen entfernt.

Außerdem entschieden wir uns kurzerhand den kompletten Innenraum zu renovieren und verbrachten gute 3 Tage damit alle Wände, Schränke und die Decke neu zu streichen, Scharniere zu ersetzen und einiges zu reparieren. Der Boden wurde zusätzlich abgeschliffen und die Tischplatten und der Boden neu versiegelt. 

Via Amazon war dann auch unsere neue Dichtmasse für den Dachlüfter angekommen und wir rissen kurzerhand den kompletten Lüfter vom Dach. Wir reinigten die Kontaktflächen und verteilten dann 2 Tuben auf Lüfter und Dach. Jetzt muss der aber wirklich dicht sein! Außerdem war unser Spannungswandler für den Lüfter pünktlich zu unserem Tripp in die Hitze abgeraucht und wir konnten endlich einen neuen installieren, der ebenfalls per Paket angekommen war.

Gerade rechtzeitig, denn nach 44 Grad in der ersten Woche wurde es in der zweiten und dritten Woche noch schwüler und fast täglich wurden wir Nachmittags und Abends mit Platzregen beschert. Mehr als einmal wurden wir klatschnass, weil wir nicht damit gerechnet hatten. 

Dann gings nochmal in Sachen Chico los. Der kleine Kerl hatte von Marion und Peter, die wir in Utah kennen gelernt hatten, sein erstes Taschengeld erhalten und es sollte endlich ein vernünftiges Bettchen her. Diese Mission war gar nicht so einfach, aber in Merida fanden wir ein Schönes und nun schläft der kleine Prinz äußerst luxuriös in einem großen Bett.

Mittlerweile kannten wir alle großen Baumärkte und Supermärkte der Stadt. Einen Glaser oder Kunststoffhändler der unsere milchig gewordenen Seitenscheiben erneuert, fanden wir trotzdem nicht. Ok, wir fanden einen, aber 500€ fanden wir jetzt doch etwas viel. Wir werden also weiter mit offenen Schiebefenstern abbiegen und weiter suchen. 

Samstag ging es dann auf den Markt und wir fanden tatsächlich deutsches Brot und deutsche Würstchen. Abends machten wir dann Currywurst mit Fritten und es gab Kölsch. Hervorragend! Ein bisschen vermissen wir deutsches Essen…

Außerdem durfte Hanno sich noch seine lang ersehnte Hängematte aussuchen. Merida ist mexikoweit bekannt für die handgemachten Hängematten und so sind wir nun in Besitz einer geknüpften Baumwoll-Hängematte in Bruno-Blau. 

Dann wars endlich soweit und 2 Tage vor dem ursprünglichen Datum war unser Paket Samstag bei FedEx. Wir tingelten mit Uber durch die Stadt und hatten Nachmittags wirklich unser Paket in den Händen, ohne Schmiergeld oder abstruse Sondergebühren zu zahlen. Fantastisch! Den Sonntag verbrachten wir mit Vorbereitungen und Checklisten und Montag ging es zurück zu Oliver in die Werkstatt.

Das ganze lief dann auch echt gut und wir waren optimistisch, dass wir Nachmittags fertig sind. Tja, aber wir hatten nicht mit IVECO gerechnet, die mal wieder kommentarlos Teile verändert hatten. Die eine Gleitschiene haben sie einfach so verändert, dass der Winkel nicht mehr stimmt und wir 5 mm Stärke zu viel hatten, die wir auch nicht entfernen konnten. Haben wir natürlich erst nach dem Einbau gemerkt, als die neue Kette viel zu stramm war. Bescheuert! Also mussten wir wohl oder übel alles wieder ausbauen und die eine alte Gleitschiene wieder einbauen. Die war zum Glück noch nicht abgenutzt, auch wenn das Gummi sicher nicht so toll weich wie bei den neuen Gleitschienen ist. Es ist nun also (nur fast) alles neu im Kettengehäuse.

Auch die neuen Röhrchen für die Wasserpumpe sind einfach 3 mm länger. Sowas merkt man natürlich ebenfalls erst beim Einbau. Wir verloren ein paar Stunden durch diese kleinen doofen Dinge, wurden aber zum Glück noch vor der Dämmerung fertig. 

Oliver kannte eine Tierärztin und in einer Arbeitspause bekam Chico, der in der offenen Seitentür lag mal flott seine Auffrischungsimpfungen. Nicht schlecht. Ich glaub er hat gar nicht gemerkt, dass er beim Tierarzt war und wir hatten wieder einen Punkt auf unser unendlichen Liste abgehakt. 

Beim Einbau hat Oliver uns dann noch darauf aufmerksam gemacht, dass unsere Kühlwasserpumpe vermutlich kurz vor dem Exitus ist. Also entschieden wir Abends noch eine neue zu bestellen und unseren Aufenthalt in Merida nochmal zu verlängern. Das passte uns eigentlich nicht, denn Merida ist wirklich keine sonderlich einladende Stadt. Wir hatten Hummeln im Hintern und wollten eigentlich weitern. Aber so ist das nun mal, wenn Bruno was braucht, müssen wir in den sauren Apfel beißen, ansonsten hätten wir früher oder später wohl ernsthafte Probleme die wir im Zweifel in weniger komfortablem Umfeld lösen müssten.

Zum Glück waren die Leute vom Hostel nett und ließen uns weiter an den Autos werkeln. Jaro bekam eine neue Solaranlage und Hanno einen neuen Akku für den Mac. So waren wir irgendwie dann doch beschäftigt, während wir auf unsere letzten Bestellungen warteten. 

Chico mochten die Leute vom Hostel auch, besonders die Putzkraft war ganz verliebt in ihn. Wir mussten nur aufpassen, dass er nach all der Zeit nicht zu aufreißerisch wurde. Er prügelte sich mit Vorliebe mit den Nachbarskatzen und jagte die großen Leguane bis in den Pool. Kurz standen wir unter Schock als der Leguan leblos im Pool zu Boden sank und wir kächerten ihn mit dem Reinigungsnetz für den Pool heraus. Er blieb leblos am Rand liegen. Uiuiui. Als die Putzfrau mit dem Kehrblech anrückte war er aber plötzlich wieder sehr lebendig und machte sich aus dem Staub. Glück gehabt! 

Weniger Glück hatten leider zwei frisch geschlüpfte Küken und ein dutzend kleine Echsen. Oh man, Chico! Nicht cool! Die kleine Fellnase fühlte sich definitiv ein kleines bisschen zu sehr zu Hause.

Der letzte Punkt auf der Merida-ToDo-Liste war dann noch ein Antibody-Test für Hanno. Seit 2 Monaten ist sein Geschmackssinn verirrt und Fleisch und Ei schmeckt nach Abfluss. Wir hatten den Verdacht, dass wir eventuell unbemerkt Anfang des Jahres Covid hatten und Hanno nun Symptome der Spätfolgen hat und deswegen Fleisch so komisch schmeckt. Das wollten wir gerne überprüfen, denn es hätte auch den Vorteil, dass wir uns eine Immunität bescheinigen lassen könnten, die uns an den Grenzen in Zentralamerika das Stäbchen in der Nase ersparen könnte. Wir gondelten durch die Stadt und wurden von einigen verängstigten Menschen aus angeblichen Test-Laboren geworfen. Also stürzten wir uns in das Chaos des örtlichen Krankenhauses und Hanno wurde nach Diskussionen, falschen Informationen und einigem an Rumgerenne in einem Baucontainer für einen Antibody-Test Blut abgenommen. Das ganze war unheimlich unorganisiert und man muss ernsthaft Angst haben, dass man sich genau dort mit dem Virus infiziert.

Tja, und am nächsten Tag kam dann das Ergebnis per Mail. Antibody für eine vergangene Infektion waren negativ, dafür aber die für eine aktuelle Infektion positiv. Sch… Oh man, so hatten wir das nicht geplant. Nach Rücksprache mit unserem Arzt zu Hause und den Biologen der Familie waren wir uns fast sicher, dass der Test falsch positiv oder falsch negativ ist. (Schonmal vorab, der Kontrolltest am nächsten Montag war negativ, wir haben keine Symptome und es geht uns gut!)

Wir entschieden uns einen Strand als Quarantänebasis zu nehmen, das Wochenende abzuwarten und Montags erneut zu testen. Erstmal, weil wir im Hostel keinen gefährden wollten und da mit einer Menge Covid-Leugnern in Kontakt waren, zweitens weil uns nach 18 Tagen im Hostelgarten langsam aber sicher dort die Decke auf den Kopf fiel und drittens weil uns die Temperatur den Rest gab. Wäre der Test Montags positiv gewesen, hätten wir uns für 2 Wochen in eine Ferienwohnung eingeschlossen. Da sind wir glücklicherweise drumrum gekommen. Da sieht man mal wieder das man planen kann wie man lustig ist, wenn das Leben anders plant ist man nun mal machtlos. Da hilft es wohl nur, wenn man flexibel bleibt und immer versucht das Beste draus zu machen.

Falls es wen interessiert: Mexico macht übrigens nix, wenn man positiv getestet wurde. Die haben nicht mal Kontaktdaten von uns genommen oder Empfehlungen dazu was man machen soll, wenn man positiv getestet wurde. Kein Wunder, dass die Zahlen hier so in die Höhe schießen… In Deutschland gehen ja zum Glück endlich die Zahlen runter. Wir drücken euch allen die Daumen, dass es so bleibt und ihr Schritt für Schritt zurück zum normalen Leben kommt.

Tag 672-676 | Yaxchilan, Roberto Barrios Wasserfälle, Misol-Ha Wasserfall, Palenque, Chiapas, Mexico

Tag 672-676 | Yaxchilan, Roberto Barrios Wasserfälle, Misol-Ha Wasserfall, Palenque, Chiapas, Mexico

Nach unserer fantastichen Zeit in Reforma Agraria ging es weiter zu den Ruinen Yaxchilan. Wir kamen gegen Mittag am Parkplatz an und wurden sofort von Guides und Bootsmännern belagert. Die Ruinen sind nur per Boot erreichbar und liegen im Grenzgebiet zwischen Guatemala und Mexico.
Wir hatten uns entschieden die Tour morgens um 7 Uhr zu machen um den Touristen und der Hitze zu entgehen. Also wurde sehr unspektakulär einfach auf dem Parkplatz übernachtet und wir verbrachten den Nachmittag zwischen den Bäumen am Fluss wo eine Brüllaffenfamilie rumhing. Als die Herrschaften anfingen mit Exkrementen zu schmeißen machten wir uns aber lieber wieder zurück zu den Autos. Die Botschaft war angekommen.

Bei einer alten Omi kauften wir am Straßenstand Tostadas und Empanadas, die sehr, sehr hervorragend waren. Dreimal bestellten wir nach und die Dame freute sich sichtlich darüber, dass es uns schmeckt und dass sie mit ein bisschen mehr Geld nach Hause gehen würde.

Am nächsten Morgen ging es dann um 7 Uhr mit Bootsmann und Guide auf den Fluss. Den Guide hatten wir uns gegönnt, um detaillierter etwas über die Mayas zu erfahren und hofften, dass durch seine Erzählungen mehr hängen bleibt als durch das Schilderlesen, was wir sonst immer machen. Leider war unser Guide eher mittelmäßig und man kann in Frage stellen, ob es sich gelohnt hatte. Viel mehr enthusiastischer als die Schilder war er auch nicht. Aber er brachte uns in einen Tunnel innerhalb einer Ruine, der eigentlich wegen COVID gesperrt ist. Dazu muss man sagen, dass wir die einzigen Besucher waren.

Yaxchilan liegt super schön am Fluss im Dschungel. Die Ruine ist gut erhalten und es wird auch einiges für die Pflege getan. Am beeindruckendsten fand ich den Königspalast und die steilen Stufen, die wir nach oben kraxelten. Es ist erstaunlich zu sehen wie schnell sich die Naur ihren Platz zurück erobert und die großen Bäume und überwachsenen Mauerreste erinnerten ein bisschen an die Ruinen, die wir in Asien gesehen haben.

Zwei Stunden später ging es mit dem Boot zurück. Wir hatten mit unserem frühen Start definitiv alles richtig gemacht. Jetzt wurde es heiß und die ersten Touristenbusse rollten auf den Parkplatz.

Wir entschieden weiter zu fahren und die Ruinen von Bonampak zu überspringen. Wir wussten, dass wir dort, wie in Yaxchilan schon erlebt, Wegezoll und Eintrittsgelder zahlen mussten, die von der lokalen Bevölkerung einfach erschaffen worden waren. Wir hatten keine Lust auf blockierte Straßen und Diskussionen mit Einheimischen. Uns fehlt das Hintergrundwissen um das Ganze vollumfänglich beurteilen zu können. Was wir wissen ist, dass Chiapas als ehemals guatemalisches Gebiet lange Zeit von Mexico benachteiligt wurde. Der allgemeine Lebensstandard ist schlechter als im Rest des Landes und die Bevölkerung scheint im Durchschnitt ärmer zu sein. Aber sie hat verstanden, dass durch Tourismus Geld mit der Region gemacht wird und sie wollen ein Stück vom Kuchen abhaben. Die Sehenswürdigkeiten sind oft von staatlichen Organen geführt und das durch den Eintritt eingenommene Geld landet vermutlich nicht in der Region. Von daher haben wir Verständnis für den Frust, wollen aber trotzdem nicht an jeder Straßenecke Geld für Nichts abdrücken. In Bonampak hat die Bevölkerung es soweit getrieben, dass man Eintritt für die Straße zur Ruine zahlen muss und dann einige Kilometer vor der Ruine gestoppt wird um mit einem Minibus weiter zu fahren. Die verlangten Fahrtkosten sind utopisch hoch und der ganze Stress wars uns nicht wert.

Also ging es weiter bis nach Roberto Barrios zu den Wasserfällen. Auf einer Rasenfläche konnten wir zwischen Bäumen campen und durften auch Lagerfeuer machen. Gar nicht so schlecht. Nach einem ausgiebigen Mittagessen und einer kleinen Pause war es Zeit fürs Wasser. Wir hatten die 40 Grad geknackt und selbst atmen fiel einem schwer. Also ab ins Wasser und die verschieden Pools Fluss auf- und abwärts ausprobieren.

Abends kam noch ein Camper dazu und wir lernten Tiche und Steven aus Utrecht kennen. Witzigerweise hatten die zwei vor ein paar Monaten Clem und Emelie getroffen. Die Overlandergemeinde ist echt klein.
Wir verbrachten einen feuchtfröhlichen Abend mit den beiden und versackten bis in die frühen Morgenstunden mit einer guten Flasche Mezcal.
Dementsprechend startete unser nächster Morgen gemächlich und wir entschieden schnell noch eine zweite Nacht zu bleiben. Den Tag verbrachten wir mit einem neuen kleinen Spiel. Wir wateten, kletterten, rutschten, sprangen und schwammen flussabwärts. Alles ohne den Fluss zu verlassen. Das machte echt Spaß und war auch aufregend. Teilweise waren die Wasserfälle echt hoch und wir fielen tief und eine „Rutschbahn“ ganz schön steil und man wurde super schnell und hatte danach nen blank gescheuerten Hintern.

Wir verbrachten dann einen zweiten Abend am Lagerfeuer mit Tiche und Steven bevor wir uns am nächsten Morgen wieder auf die Socken machten.

Nächster Stop war der Misol-Ha Wasserfall, von dem wir etwas enttäuscht waren. Schon auf dem Weg dort hin kamen wir wieder an eine inoffizielle Straßenblokade und sollten zahlen. Auch wenns wieder nur um wenige Euros ging, versaut einem das echt die Stimmung.

Am Wasserfall angekommen war schnell klar, dass wir dort wohl nicht schwimmen werden. Es stank nach Kuhmist und die Farbe war wenig einladend. Schade.
Wir wanderten hinter dem Wasserfall bis zu einer Höhle und durften, mal wieder gegen Eintrittsgeld, den unterirdischen Wasserfall sehen. Wenig spektakulär und sein Geld nicht wert. Naja. Nach einer halben Stunde waren wir daher zurück an den Autos und es ging weiter Richtung Palenque.

In Palenque ging es erst mal in die Stadt, die uns schmuddelig und nicht sonderlich symphatisch vor kam. Es ging zum großen Supermarkt und da unser Gefühl nicht das Beste war, gingen Jaro und ich einkaufen, während Hanno die Autos im Auge hatte.
Dann ging es in den Nationalpark, in dem auch die berühmten Ruinen liegen und wir fanden an einem Restaurant einen richtig schönen Campspot. Es war weiterhin über 40 Grad und wir saßen den Nachmittag im Schatten und freuten uns über jedes Windchen. Chico schloss Freundschaft mit den Katzen des Restaurants und wir bekamen Besuch von Brüllaffen.

Abends kamen Tiche und Steven wieder dazu und wir saßen gemütlich zusammen. Von den beiden bekamen wir einen zweiten Waschlappen geschenkt. Waschlappen sind für die Camper-Körperpflege echt super. Das hatte ich beim Packen zu Hause unterschätzt und daher nur einen eingepackt. Seit knapp zwei Jahren habe ich jetzt nach einem zweiten gesucht und musste feststellen, dass es Waschlappen auf dem nordamerikanischen Kontinent nicht gibt. Verrückt oder? Ich war happy, dass die zwei einen neuen zu viel hatten (den ihnen extra Freunde aus Europa mitgebracht hatten) und ihn uns überließen.

Später am Abend entwickelte sich dann vor Bruno und quer durchs Camp eine Ameisen-Autobahn. Ganz schön fleißig waren die. Es war witzig zu beobachten wie chaotisch und doch geordnet die Ameisen ihre geschnittenen Blätter abtransportierten. Aber ein unbedachter Schritt endete für uns an diesem Abend auch äußerst schmerzhaft und mehr als einmal gabs einen ungewollten Stepptanz.

Am nächsten Morgen waren wir wieder früh auf und mit die ersten an der Ruine. Es gab einen schnellen Kaffee und dann gings los. Wir waren wieder vor den Massen unterwegs und das war super. Wir müssen immer wieder feststellen, dass gerade die Touristen den Virus nicht ernst nehmen und keine Maske tragen.

Palenque war mit seinen hohen Stufenpyramiden und verschieden Ebenen beeindruckend und wieder stellten wir fest, dass wir zu wenig über die Mayakultur wissen. Das Gelände ist groß und wir verbrachten einige Zeit zwischen den alten Tempeln.

Zurück zum Visitor Center ging es dann durch einen Dschungelpfad. Auf die Minibusse hatten wir keine Lust und der Wald ist wunderschön. Wie immer auf solchen Wanderungen hielten wir uns an den kleinen Details auf und erfreuten uns zum Beispiel an einer Echse mit einer bunten „Halsblase“, die sie komplett verschwinden und wieder auftauchen lassen kann. Da sind sie wieder, die kleinen Dinge die uns glücklich machen.
Der Rest der Truppe war schneller unterwegs als wir zwei Trödler und wir trafen uns auf dem letzten Stück an der Straße wieder. Dann wurde gemütlich gefrühstückt bis um 11 Uhr das Museum aufmachte.

Das Museum war klimatisiert. Halleluja! Wir bleiben vielleicht ein kleines bisschen länger als wir es normalerweise getan hätten. Endlich bekamen wir ein bisschen mehr Hintergrundwissen zur Kultur und ich habe das Gefühl, dass endlich auch mal ein bisschen hängen geblieben ist.
Wir erfuhren viel über Zeremonien und Rituale, Totenkult und Bestattungen. Nur das normale, tägliche Leben können wir uns immer noch ziemlich schlecht vorstellen. Wir versuchten dieses Defizit dann mit dem Film „Apocalypto“ von Mel Gibson aufzuarbeiten, aber ehrlich gesagt fanden wir den Film ziemlich mies und blutrünstig und außerdem stimmen einige grundlegende Dinge zur Historie und Lebensweise überhaupt nicht mit der Wahrheit überein.

Tiche und Steven verabschiedeten sich dann Mittags Richtung Guatemala und wir fuhren weiter Richtung Karibikküste. Mal schauen, ob sich unsere Wege nochmal kreuzen.