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Autor: Kerstin Kolvenbach

Tag 748-754 | Hopkins, Cockscomb Jaguar Preserve, St. Hermans & Blue Hole Nationalpark, Spanish Lookout, San Ignacio, Actun Tunichil Muknal, Mountain Pine Ridge Forest Reserve, Belize

Tag 748-754 | Hopkins, Cockscomb Jaguar Preserve, St. Hermans & Blue Hole Nationalpark, Spanish Lookout, San Ignacio, Actun Tunichil Muknal, Mountain Pine Ridge Forest Reserve, Belize

Weiter gings die Küste runter bis nach Hopkins. Hier wollten wir eigentlich nur kurz halten und einkaufen, da wir geplant hatten in ein paar Tagen zurück zu kommen und hier das Karibikflair zu genießen. Tja, Hopkins war wie ausgestorben, die Restaurants geschlossen und an den leeren Stränden stank das Seegras vor sich her.
Der angepeilte Campingspot war quasi nicht existent. Nach langem Suchen fanden wir einen Geldautomaten, einen schweineteuren Supermarkt und dann auch noch ein geöffnetes Restaurant.
Die Stimmung im Dorf war gut. Entspannt und gemütlich, aber irgendwie war gespenstig wenig los.
Wir bestellten ein Sandwich und eine Portion Pommes für Touristenpreise und ich gönnte mir einen Cocktail auf leeren Magen.

Beim Mittagessen beschlossen wir, dass wir nicht nach Hopkins zurück kommen würden. Wir wollten eigentlich hier Tauchen, aber die Preise waren utopisch hoch und wir lasen online, dass bei den groß vermarkteten Walhai-Tauchgängen schon seit zwei Jahren kein einziger Walhai zugegen war.

Also ging es nach dem Essen weiter bis in das Cockscomb Jaguar Preserve. Tiere waren hier nicht erlaubt, also musste Chico mal gerade in die Wohnkabine umziehen als wir am Eingang ankamen.
Durch einen kleinen Pfad und viel Matsch ging es dann rein in den Wald und wir wurden auf den Hubschrauber-Landeplatz zum Campen verfrachtet.
Wir spielten kurz mit dem Gedanken zwei Nächte zu bleiben, als wir allerdings den Campingpreis erfuhren entschieden wir uns dagegen. Mit 20 US Dollar war das mit Abstand der teuerste Campingplatz im Land.
Chico quengelte ordentlich, denn er hatte beim Blick aus dem Fenster den unheimlich coolen Wald entdeckt.
Wir entschieden uns für eine kleine Wanderung und versprachen, dass er im Dunklen raus darf.

Wir machten die kleine 5 km Wanderung in dem wir Pfad 4 und 8 miteinander kombinierten. Am nächsten Tag hatten wir den Tiger Fern Trail geplant und waren gespannt auf die Wasserfälle am Ende.
Wir ließen uns Zeit und entdeckten so einiges. Jede Menge grüne Papageien, unbekannte Früchte und Blumen, riesige Schmetterlinge, Kolibris, Craboo Früchte (die uns Leroy schon gezeigt hatte) und Rostbauchguans, die sich mit ihren komischen Geräuschen echt ein bisschen lächerlich machen.

Hanno wollte dann Abends noch eine Nachtwanderung machen und wir liefen die Pfade 1, 2 und 3. Ehrlich gesagt, war ich ganz froh, als wir wieder am Auto waren. Fast wäre ich auf eine Tarantel getreten und Hanno hat mir mit seinem „Achtung“ fast einen Herzinfarkt beschert. Puh…
Wir sahen außerdem noch Opossums und Waschbären und durch die Taschenlampen wurden wir von so manchem fliegenden Viehzeug verfolgt.

Als wir Chico dann rausließen rannte der quasi direkt in den Schein einer Taschenlampe. Der Guide einer Nachtwanderung hatte ihn vermutlich rascheln gehört. Hervorragend. Unerkannt mit dieser Katze funktioniert einfach nicht.

Am nächsten Tag goss es wie aus Eimern und schnell war klar, dass wir den Tiger Fern Trail wohl eher knicken können. Also packten wir zusammen und schauten uns auf dem Weg raus nur noch schnell das abgestürzte Flugzeug des Forschungsteams an.

Dann gings auf dem Hummingbird Highway Richtung Hauptstadt Belmopan.
Auf dem Weg stoppten wir bei einer Farm für Mittagessen und bekamen leckeres Eis als Nachtisch gleich dazu. Dann gings weiter bis zum St. Hermans & Blue Hole Nationalpark.
Schnell war geklärt, dass wir auf dem Parkplatz campen durften. Also genossen wir den Nachmittag mit erfrischenden Sprüngen ins Blue Hole, welches unserer Meinung nach eine weitere Cenote ist und waren mal wieder ganz alleine an dieser Sehenswürdigkeit.

Danach gings in die St. Herman Cave wo sich riesige Gruppen mit Reifen beim Tubing vergnügten.
Wir sparten uns die 80 US Dollar pro Person und liefen zu Fuß in die Höhle. Weniger spektakulär als gedacht, aber so ist das nun mal häufig, wenn man schon so viel gesehen hat. Wir werden echt immer anspruchsvoller.

Auf dem Weg raus setzte der Platzregen ein und wir entschieden noch was im geschützten Höhleneingang zu bleiben. Als es weniger wurde liefen wir Richtung Bruno und schafften es leider nur ein paar Hundert Meter weit, bis es wieder aus Eimern schüttete. Am Ende entschieden wir uns, einfach weiter zu laufen, denn nasser konnten wir eh schon nicht mehr werden und uns fiel ein, dass der Dachlüfter in Bruno aufsteht.

Also spurteten wir zurück, zogen uns bis auf die Unterwäsche vor dem Auto aus und hüpften rein. Leider hatte es ordentlich durch den Dachlüfter reingeregnet und wir hatten mal wieder ein durchweichtes Bett.
Den Abend über versuchten wir so gut es ging, alles zu trocknen. Halbwegs erfolgreich.

Die Nacht war ok, aber am nächsten Tag merkten wir, wie wenig willkommen wir waren. Wir durften unseren Müll nicht im Picknickbereich in den Mülleimer werfen. Man sagte uns, wir sollen ihn mit nach Hause nehmen. Haha, wir schicken also bald dann Pakete voller Müll nach Deutschland oder nehmen ihn beim nächsten Flug mit?!
Weiter gings mit Chico, der nicht mehr aus dem Auto durfte, weil er ja sonst von wilden Tieren verspeist wird. Dass das in unserer Verantwortung liegt und er eh nicht weit vom Auto wegläuft interessierte die Herrschaften ebenfalls nicht.

Toll was man so kriegt, wenn man dafür bezahlt auf einem Parkplatz an der Hauptstraße zu schlafen.
Echt schade, dass Belize so Tierunfreundlich ist. Wir hatten ja ursprünglich geplant noch auf die Inseln zu fahren, das scheiterte aber daran, dass es scheinbar kein einziges katzenfreundliches Hotel auf den Cayes gibt.

Also ging es weiter über Belmopan nach Spanish Lookout. Spanish Lookout ist die größte Mennoniten Gemeinde im Land und hier sind alle echt beschäftigt. Es scheint so, als würde der Großteil der Wirtschaft des Landes von hier aus laufen. Brauchst du was, fährst du nach Spanish Lookout, egal wo im Land du eigentlich wohnst. Plötzlich gab es Supermärkte, die internationale Produkte in den Regalen hatten, Werkstätten und Schreinereien, Bäckereien und riesige Baumärkte. Die Mennoniten hier werden als Modernisten bezeichnet, da sie die Nutzung von Maschinen gutheißen. Man spricht in den Mennonitischen Gemeinden übrigens Plautdietsch, welches sich ungewohnt vertraut und gleichzeitig fremd anhört.

Wir frühstückten in einem kleinen Café und setzten unsere Reise fort bis nach San Ignacio.
Von hier aus würden wir unseren Grenzübertritt nach Guatemala planen und vorbereiten. Es ging zum Beispiel mal wieder zum Tierarzt um ein aktuelles Gesundheitszertifikat für Chico zu erhalten.

Wir kamen an einem netten Campingplatz in der Stadt an und wurden direkt belagert.

Eine vermutlich mennonitische Familie aus Lage (NRW) wohnte in einem der Häuser auf dem Gelände. Die Mutter ist Russlanddeutsche und ihre 8 Kinder sind zwischen 1 und 19 Jahre alt. Sie sind vor einem Jahr ausgewandert.

Am zweiten Abend lernte ich dann 4 von den Mädchen (alle mit biblischen Namen versehen) und die Mutter näher kennen. Alle waren traurig, dass wir bald weiter wollten. Scheinbar brachten wir lang ersehnt Abwechslung ins Camp.
Ich erfuhr eine Menge, ohne dass ich das Gefühl hatte, dass man mich versucht zu missionieren oder zu bekehren. Stattdessen erzählten sie vom Auswandern und das der Vater sich Belize vor 2 Jahren angeschaut hat und dann für die Familie entschieden hat. Sie erzählten, dass schon das zweite Schaf innerhalb von 2 Tagen gestohlen wurde und vermutlich schon in der Fleischverarbeitungsfabrik gelandet ist, dass die Kinder endlich einen Hund bekommen hatten und alle für alle sorgen. Die älteren Geschwister schmeißen den Haushalt und passen auf die jüngeren auf. Die Familie wirkte glücklich und die Kinder offen und aktiv. Schade fand ich, dass die Kinder seit über einem Jahr keine Schule mehr gesehen haben und auch kein homeschooling gemacht wird. Bis auf die älteste mit 19 Jahren hat keines der Kinder einen Abschluss und die jüngsten können ja nicht mal lesen, schreiben oder rechnen. Das sehe ich echt kritisch, wenn die Eltern einem die Schulbildung versagen. Hoffentlich geht das gut und die versauen denen nicht ihre Zukunft. Die älteste möchte Hebamme werden, hält aber auch nix von Ausbildung oder Studium. Sie sagt das gibts in Belize nicht und sie liest sich die Theorie selbst an und in Spanish Lookout könnte sie direkt praktisch arbeiten. Immerhin hat sie schon bei der Hausgeburt ihres jüngsten Geschwisterchen mitgeholfen…

In San Ignacio entschieden wir dann noch die Actun Tunichil Muknal Höhle zu besichtigen. Wir überlegten lange hin und her, da die Tickets schlappe 100 US Dollar pro Person kosten.
Am Ende sind wir froh, dass wir es gemacht haben. Das war echt das Highlight unserer Zeit in Belize. Da ein doofer Tourist vor einigen Jahren seine Kamera auf einen Schädel hat fallen lassen und ihn damit zerbrochen hat, darf man keine Kameras mehr mit nehmen. Die Höhle ist heilig und die Geister sind erzürnt. Die Fotos die ich eingefügt hab sind von Wikipedia und dürfen über die CC Lizenz geteilt werden. Weitere Bilder findet ihr hier: Actun Tunichil Muknal.

Mit einem Pärchen aus den USA ging es also im Auto des Guides durchs Hinterland und bis zum Parkplatz. Dann gings mit Turnschuhen, Schwimmsachen und Drybag bewaffnet los. Nach 5 Minuten laufen mussten wir den ersten Fluss überqueren – schwimmend. Nass wateten wir weiter bis wir nach einer halben Stunde am Höhleneingang ankamen. Die Höhle „betraten“ wir wieder schwimmend und die nächsten 2 Stunden bahnten wir uns unseren Weg durch die Gänge. Mal standen wir bis zu den Knöcheln im Wasser, mal bis zum Hals. Einige Male mussten wir schwimmen. Die Gänge waren von eng bis kathedralenähnlich und ab und zu auch mit einiger Wasserströmung. Irgendwo tief im Inneren des Systems kamen wir dann an eine Stelle an der wir klettern mussten. Es ging nach oben und dann mussten wir unsere Schuhe ausziehen, denn die Ebene war heilig. Wir wanderten auf Socken an vielen Opferstätten vorbei, sahen alte Tongefäße, Feuerstellen, bearbeitet Stalagmiten und Opfergaben.
Die menschlichen Opfer waren meist übel zugerichtet. Verformungen der Schädel, gebrochene Knochen und absichtlich herbeigeführte Veränderungen während des Wachstums der Personen lassen darauf schließen, dass die Opferungen lange vorbereitet wurden. Dabei konnte es gefühlt jeden treffen. Den Sohn einer reichen Familie oder einen Sklaven. Kind oder Erwachsenen. Die Mayas waren echt verzweifelt und versuchten alles um ihre Kultur zu bewahren. Bis heute ist nicht klar, was die Mayas am Ende ausgerottet bzw. aus den Gebieten vertrieben hat. Es ist von Naturkatastrophen die Rede oder anhaltenden Dürren und Ernteausfällen, aber so richtig weiß es niemand.

Nach einer weiteren Stunde waren wir zurück am Eingang und nach einem Mittagessen am Parkplatz gings zurück in die Stadt. Beeindruckendes Erlebnis und wir hatten echt einen fantastischen Guide mit super viel Wissen zu den Mayas und den Höhlen. War sein Geld wert und definitiv ein Abenteuer. Wir waren ganz schön ko und freuten uns über einen Nachmittagsschlaf.

Von San Ignacio ging es dann zu unserer letzten Station in Belize, das Mountain Pine Ridge Forest Reserve. Den ersten Tag verbrachten wir damit kreuz und quer durch den Park zu brettern, überall und nirgendwo zu halten, mit Chico spazieren zu gehen, ein paar Offroadpisten auszuprobieren und einige von den Wasserfällen und Pools anzuschauen (zum Schwimmen waren sie uns zu braun).

Abends fuhren wir bei einer Familie aufs Grundstück und mussten uns dann leider direkt verkriechen. Platzregen bis tief in die Nacht inklusive richtig fettem Umwetter mit Blitz und Donner. Das ist hier irgendwie immer eine andere Hausnummer als zu Hause. Extremer und lauter.

Den zweiten Tag ging es auf eine Ranch und da das Wetter nicht so bombe war verbrachten wir den Tag mit den letzten Vorbereitungen (Dokumente zusammensuchen, Prozedere an der Grenze nachlesen) und entspannen. Die Ranch gehörte einem Engländer, der die letzten 20 Jahre in Guatemala City gelebt hat, dort sein Business verkauft hat und die Ranch in Belize gekauft hat.

Abends gabs hervorragende Sauerteigpizza und das letzte Bier aus Belize.

Dann wars so weit, nach knappen 2 Wochen und 751 km gings ins nächste Land. Wir sind froh, dass wir Belize nicht übersprungen haben. Es war vom ersten bis zum letzten Moment unser Wundertüten-Land. So anders als seine Nachbarn und alle Länder die jetzt in Zentralamerika noch kommen. Es war ein teures Land und als Tourist wird einem echt nochmal doppelt das Geld aus den Taschen gezogen, aber es war auch ein freundliches Land. Wir fühlten uns super willkommen und die Leute waren durchweg freundlich und sehr positiv. Wir fühlten uns sicher und die Natur ist klasse. Belize ist nicht so stark besiedelt wie das Festland Mexicos und Guatemala. Wir werden die einsamen Orte echt noch vermissen. Aber jetzt erstmal heißt es Guatemala, wir kommen! Tschüss Belize, beim nächsten Mal klappts dann bestimmt mit dem Inseln und dem Blue Hole Tauchgang.

Tag 743-748 | Orange Walk, Lamanai, Shipyard, Crooked Tree, Gales Point Manatee, Belize

Tag 743-748 | Orange Walk, Lamanai, Shipyard, Crooked Tree, Gales Point Manatee, Belize

Früh morgens tauchten wir an der Grenze auf. In Mexico ging dann erst mal das Auschecken los. Bruno wollte raus aus dem Land und wir wollten raus aus dem Land. Eine grimmige Grenzbeamtin nahm uns unsere Touristenkarten ab und ließ uns wissen, dass Belize geschlossen ist und wir von ihr nur eine Woche für Mexico bekommen, falls wir umkehren müssen. Sehr fein, da hat man ja direkt ein super Gefühl.
Nachdem auch Bruno offiziell das Land verlassen hatte ging es weiter Richtung Belize. Erster Stop war die Desinfektionsstation für die wir zahlten, aber nie auch nur einen Hauch von Desinfektionsmittel sahen. Auch gut. Dann gabs Ärger bei der Gesundheitsbehörde. Meine Biontech Impfungen wurden anerkannt, Hannos Johnson&Johnson nicht. Das war sowas von Masche. Half alles nix, 50 US$ leichter und ein weiteres Stäbchen in der Nase später durften wir zur Immigration.

Hier waren alle super freundlich, auch wenn alle wieder Geld wollten. Für Chico zahlten wir, für Bruno zahlten wir, und für uns müssten wir noch bei Ausreise zahlen.
Der dicke, ältere Herr der Bruno kontrollieren sollte, kam kaum in die Wohnkabine und so kamen wir mit einer verbotenen halben Zwiebel und den Resten von Hannos gebrautem Bier durch den Zoll.
Gegen Mittag rollten wir auf belizischen Boden und schlossen hinter der Grenze noch eine Autoversicherung für die zwei Wochen im Land ab.
Dann gings über Corozal nach Orange Walk.
Belize war unsere Wundertüte. Das einzige Zentralamerikanische Land in dem wir noch nicht waren und super anders als all die anderen. Hier wird Englisch gesprochen und schon an der Grenze führten wir einen Haufen interessanter Gespräche mit den Leuten in der Immigration, dem Tierarzt und dem Zoll. Das ist dann doch ein Unterschied, wenn man frei Schnauze quatschen kann ohne nach jeder dritten Vokabel zu suchen.

Während der ersten 100 Kilometer im Land suchten wir nach Unterschieden zu Mexico und fanden reichlich. Belize wirkt ärmer, aber trotzdem aufgeräumt. Die Leute sind dunkler als in Mexico. Ein großer Anteil ist sogar afrikanisch stämmig. Die Creolen sind als Sklaven ins Land gekommen und nach ihrer Befreiung geblieben. Egal wo wir lang fuhren, die Leute hielten in ihrer Tätigkeit inne, lachten uns an und freuten sich uns zu sehen. WIr wurden überschwänglich begrüßt und mit Tipps für unsere Reise versorgt.

Nachmittags kamen wir bei Ricky unserem Gastgeber an. Eine der Regeln in Belize ist nämlich, dass wir drei Nächte in einer „Health Gold Standard“ Unterkunft buchen mussten. Wir wählten Rickys Hostel als günstigste Option. Bruno musste leider draußen bleiben, da er nicht durchs Tor passte, aber von der Dachterasse aus hatten wir ihn im Blick.


Das Zimmer war ganz nett zum runterkommen und kühler als der Camper, was gut für Chico war. Also machten wir einen kurzen Mittagsschlaf bevor wir uns auf die Suche nach Lebensmitteln und einer Bank machten. Die Bank fanden wir und auch hervorragende Eiscreme. Leider wurde es danach traurig. Unsere Einkaufsliste war lang und wir kamen sehr enttäuscht aus den beiden großen Supermärkten zurück zum Hostel.
Ricky erklärte uns dann, dass Belize den Import von Gütern stark einschränkt oder sogar untersagt. Vor Covid war das kein Problem, da die Leute einfach nach Mexico rüber sind und besorgt haben, was es nicht gibt. Seit Covid ist dieser Weg nicht mehr möglich (den Belizianer dürfen nach wie vor das Land nicht verlassen) und so fehlt es an fast allem. Es gibt zum Beispiel kein Sprudelwasser, keine Butter, kein Nutella…
Außerdem erfuhren wir, dass es eine Zeit gab, in der ein großer Strom Auswanderer aus China und Indien nach Belize kam. Alle Supermärkte, die wir in den zwei Wochen im Land gesehen haben, waren in chinesischer Hand. Die Geschichten sind unterschiedlich, aber viele Menschen hier sind froh, dass die Chinesen mit ihrem Organisationstalent und Fleiß die Märkte führen. Auf der anderen Seite hört man einiges von Menschenhandel mit chinesischen Frauen, Verschleppung und Versprechungen vom goldenen Land Belize, welches die Asiaten lockte. Ich weiß nicht, was dran ist. Was ich weiß ist, dass mittlerweile die Immigration von Indern und Chinesen strikt kontrolliert wird und mit immensen Gebühren belegt wurde.
Langsam lernten wir zu verstehen, warum vieles so zusammengewürfelt wirkt. Man nimmt halt was man kriegt und wird kreativ. Jeder sucht sich seine Nische und versucht damit Geld zu verdienen.
Wir gaben uns damit zufrieden, dass das nun so ist und wir uns was Lebensmittelshopping betrifft umstellen müssen. Also gingen wir abends essen und fühlten uns nach Indonesien gebeamt. Alles wird frittiert. Ohje.
Immerhin schmeckt das Bier in Belize und Hanno fand auch ein paar feine Rums, die er durchprobieren konnte.

Wir blieben zwei Tage in Orange Walk und erkundeten das Städtchen zu Fuß. Wir waren weit und breit die einzigen Europäer und die Leute brüllten uns auf dem Markt zu, dass sie unser Auto mögen (welches am anderen Ende der Stadt parkte). Es schien so, als wüsste das ganze Land Bescheid, dass wir hier sind. Vermutlich konnte man aber auch die Touristen, die per Auto hier waren, an einer Hand abzählen. Es fühlte sich etwas komisch an so präsent zu sein, aber die Leute waren alle einfach super nett und hilfsbereit.

Während wir in Orange Walk bei Ricky unsere Basis hatten ging es dann noch auf einen Tagestripp zu den Lamanai Ruinen.
Auf dem Parkplatz waren wir das einzge Auto und während wir die Ruinen erkundeten sahen wir genau zwei andere Touristengruppen.

Die Lamanai Ruinen liegen in einem wunderschönen Stück Dschungel und wir genossen den Spaziergang durch den dichten Wald. Wir fanden interessante, unbekannte Pflanzen und wilden Kaffee.


Highlight war, auf die höchste Ruine zu klettern und ein Blick über den Dschungel zu erhaschen. Das ließen wir uns natürlich nicht zweimal sagen. An der letzten Ruine trafen wir dann noch Brüllaffen und machten Pause unter ihrem Baum. Gut gefallen haben mir vor allen Dingen die Ruinen mit den großen Gesichtern. Sehr beeindruckende Werke.

Von Lamanai aus ging es dann nach Shipyard. Das stand von Anfang an auf meiner „Must-See“ Liste und ich war begeistert. Mennoniten leben in dieser eigenständigen Gemeinschaft. Sie haben ihr eigenes Gesetz, ihre eigenen Regeln und Leben unabhängig vom Rest des Lades. Die Bevölkerung ist ursprünglich deutsch und sie spricht Plattdeutsch. Wir kamen uns original vor wie im Freilichtmuseum Kommern. Die Leute hier leben von den Erzeugnissen des Feldes, tragen Kleider wie Omi und verzichten auf viele Dinge wie Autos und Technik. Wir kamen uns mit unserem großen, lauten Stinker Bruno echt etwas wie Eindringlinge vor. Wir starrten mit offenen Mündern in der Gegend rum und wurden genauso zurück angestarrt. Ein sehr interessanter Besuch.

Auf dem Rückweg suchten wir uns nochmal ein Restaurant und bekamen Creolisch. Reis mit Bohnen, Krautsalat, Fleisch nach Wahl und Backbanane. Gar nicht so schlecht. Damit können wir leben.
Das Restaurant lag an einer der Tankstellen der Stadt und beim Anblick dieser, entschieden wir uns, lieber erst in Guatemala wieder zu tanken.

Am nächsten Morgen sagten wir Tschüss zu Ricky und machten uns auf den Weg nach Crooked Tree. Wir fuhren die Hauptautobahn des Landes runter und wunderten uns ab dem Zeitpunkt nicht mehr, dass es meistens Schotterpiste oder einspurig geteert ist. Viel Verkehr ist hier eh nicht. Die meiste Zeit hatten wir die Straßen für uns alleine.

in Crooked Tree schliefen wir eine Nacht im Vorgarten einer Familie, die ein Hotel betreibt. Wir waren die ersten Gäste seit Mai letzten Jahres und wurden sehr freudig begrüßt.

Am nächsten Tag ging es schon weiter, da in Crooked Tree gerade keine Vogelsaison ist und es sonst nicht viel zu gucken gibt.
Es trieb uns nach Gales Point. Wir wollten Manatees, also Seekühe sehen. Wir fuhren langsam ins Dörfchen und wurden schon nach wenigen Minuten gestoppt. Leroy bot uns einen Schlafplatz an der alten Kirche an und würde uns gegen Bezahlung mit seinem Boot in die Lagune bringen. Er war uns spontan sympathisch und so entschieden wir uns, das Angebot anzunehmen.
Wir hatten viel von den Creolen an der Küste gehört und es war einfach faszinierend. Als wären wir mal gerade so nach Jamaika oder Afrika gesprungen. Die Leute sprechen Englisch aber so wie wirs aus Gentlemans und Patrices Raggae-Songs gewohnt sind. Wir mussten echt gut zuhören um alles mitzubekommen und hatten einen fantastischen Tag mit Leroy.
Als erstes gingen wir in der Lagune schwimmen. Dort zeigte er uns ein Sinkhole aus dem kaltes Wasser strömt. Wir standen Hüfttief im Wasser, aber wenn man in das Loch tritt ist da kein Boden mehr und man sinkt ohne Stop. Der Sand im Sinkhole ist dunkler und feiner als in der Lagune. Echt ein spannendes Phänomen, welches Leroy auch nicht erklären konnte.

Dann plantschten wir noch eine Runde herum und Leroy erzählte uns eine seiner unzähligen Geschichten über einen Totenkopf aus Diamanten der irgendwo in den Bergen versteckt ist. Wer diesen Totenkopf besitzt hat unendliche Macht, auch über die Regierung (was Leroy besonders gefiel) und man kann tun was man will. Von diesem Totenkopf gibt es mehrere auf der Welt, z.B. in Ägypten und Afrika. Es war spannend einer dieser Geschichten zu lauschen, denn die Creolen waren berühmt für ihre Erzählungen. Was ein Glück, dass wir direkt in den Genuss kamen. Im Anschluss an unsere Planscherei lud Leroy uns in sein Haus zum Mittagessen ein und es gab creolisches Hühnchen, braunen Reis und Backbananen. Er zeigte uns seine Hühner, die verschiedenen Obstbäume in seinem Garten und seine Cashew-Nuss-Ernte der letzten Tage.

Dann gings aufs Boot und raus in die Lagune. Leroy wusste genau wo die Seekühe grasen und so dauerte es nicht lange bis wir die erste Nase auftauchen sahen. Die Seekuh schien zu fressen, denn sie tauchte immer nur kurz für neue Luft auf.
Nachdem wir genug Nasen gesehen hatten ging es in die Mangroven und die Herren warfen die Angeln aus. Leider ohne Erfolg, aber mit viel Spaß. Geangelt wurde an diesem Tage ausschließlich Seegras.

Wir fuhren den Fluss runter bis zur Mündung ins Meer. Dort legten wir an und spazierten über den Strand. Leroy erzählte uns, dass er schockiert ist, wie sich der Strand in den letzten 20 Jahren verändert hat. Plötzlich war dort jede Menge Müll und Seegras. Die Schildkröten blieben fern. Ihnen blieb kaum ein sauberes Stück Strand zum Eierlegen. Super schade. Wir waren ehrlich erstaunt und schockiert über die Menge an Müll. Dieser Strand ist unberührt, keine Zivilisation so weit man sehen kann und es türmt sich der Müll am Strand. Es war schwer, bei dem Anblick bei Laune zu bleiben. Dazu das ganze stinkende Seegras, welches den Weg für die Schildkröten noch erschwert. Puh…
Leroy und Hanno versuchten es dann bis zur Dämmerung nochmal mit Fischfangen, mussten aber am Ende wegen einer verhedderten Angelschnur aufgeben. In der Dämmerung ging es zurück bis zu Leroys Haus.

Den Abend ließen wir dann auf der Veranda mit selbstgemachtem Fruchtwein ausklingen. Wir hatten echt einen fantastischen Abend.
Die erste Woche Belize war schon rum und wir hatten unheimlich viel erlebt. Belize, unsere Wundertüte: Creolen, Deutsche, Chinesen, dazwischen die Mayabevölkerung. Englisch und Spanisch im Mix, Dollar, durchaus gehobene Preise, viele amerikanische Auswanderer, herzliche Menschen, …
Wir freuten uns auf die zweite Woche, auch wenn wir langsam aber sicher wirklich Sprudelwasser vermissten.