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Kategorie: Weltreise

Tag 1007-1015 | Nemocón, San Francisco, Camboa, Cundinamarca / Armero, Los Nevados Nationalpark, Tolima / Manizales, Caldas, Kolumbien

Tag 1007-1015 | Nemocón, San Francisco, Camboa, Cundinamarca / Armero, Los Nevados Nationalpark, Tolima / Manizales, Caldas, Kolumbien

Dann sagten wir tschüss zu Villa de Leyva. Das Örtchen wird uns sicher noch eine Weile in Erinnerung bleiben. Einfach schön dort. Am Kloster füllten wir unser Wasser noch auf und dann gings nach Nemocón.
Nach einem schnellen Mittagessen wanderten wir zum Aussichtspunkt und besichtigten im Anschluss die Salzmine. Diese ist stillgelegt und wird nun mit einigem Aufwand beleuchtet und Besuchern zugänglich gemacht. Es gibt eine Kapelle und man kann „Räume“ für Veranstaltungen mieten. Außerdem steht noch ein Teil des Filmsets von „The 33 (in deutsch: 69 Tage Hoffnung)„. Der Film handelt vom Mienenunglück in Chile und wurde in der Miene von Necomón gedreht.
Insgesamt war der Besuch der Miene kitschiger als gedacht und ich kann glaube ich guten Gewissens behaupten, dass es kein riesen Highlight war. Aber gut, wir sind vermutlich auch mittlerweile etwas anspruchsvoll. Die Nacht schliefen wir ziemlich unspäktakular am Marktplatz und freuten uns über einsetzenden starken Regen. Der vertrieb nämlich die Kids, die überall an Bruno rumfummelten und klopften.

Am nächsten Morgen ging es weiter und Mittags kamen wir in San Francisco bei einem Ecoparque an. Carlos und seine Familie hießen uns herzlich willkommen und der kleine Sohn zeigte uns das Gelände. Es gab unheimlich viele Tiere hier. Lamas, Ziegen, Katzen, Flamingos, Pfaue und verschiedenste Hühner. Richtig witzig.

Es war nix los und wir die einzigen Gäste und so suchten wir uns unseren Platz auf einem Hügel und genossen die Ruhe und den Ausblick.

Wir gaben noch unsere Wäsche ab, da wir vom El Cocuy noch die ganzen Winterklamotten rumfliegen hatten und wurden langsam dem Chaos in Bruno wieder Herr. Was wir zu dem Zeitpunkt noch nicht wussten, war, dass wir einen gesellschaftlichen Fauxpas begangen hatten. In Kolumbien wäscht man nicht die Unterwäsche von fremden Menschen, auch nicht in einer Waschmaschine. Am nächsten morgen bekamen wir also halb gewaschene Wäsche zurück. Beim Aufhängen der ersten Waschmaschine hatten sie wohl unsere Schlüppis in den Händen. Hups. Wir bekamen also einen Sack mit nasser Wäsche und einen Sack mit der weiterhin dreckigen Wäsche zurück. Nach ein bisschen rumgegoogle hatten wir dann auch endlich das Problem verstanden und verbrachten unseren Nachmittag mit Handwäsche am Waschbecken. Da wir die einzigen Gäste waren konnten wir zum Glück unsere Wäscheleinen kreuz und quer unter dem Dach vom Waschhaus spannen.

Wir blieben noch eine weitere Nacht und schmissen Abends noch die Heizung an um unsere Klamotten entgültig trocken zu bekommen. Es hatte leider den Tag quasi durchgeregnet und in den trockenen Phasen in der die Wäsche draußen hing, mussten wir sie vor den Schafen bewachen, die nix besseres im Sinn hatten als an unseren T-Shirts rumzukauen. Kompliziert, kompliziert.

Am nächsten Morgen machten wir uns dann wieder auf den Weg und hatten eigentlich vor Mittags wieder am Ziel zu sein. Tja, am Ende brauchten wir den kompletten Tag (10 Stunden!) für eine Strecke von 150 km. Die Straße war eng, schlecht geteert, es war sau viel Verkehr und die Regenzeit hatte einige Schlammlawinen auf die Straße rollen lassen. Nicht so toll. Regenzeit in Kolumbien ist echt nicht zu unterschätzen. Anders als in Asien, wo es dann Mittags ein bis zwei Stunden regnet, heißt Regenzeit hier eher Dauerregen von Mittags bis tief in die Nacht.

Wir fanden bei Dämmerung ein nettes Plätzchen am Ufer eines Flusses und machten es uns gemütlich. Als gerade das Abendessen auf dem Tisch stand drang Blaulicht durchs Fenster. Na toll. Wir waren gewappnet für korrupte Polizei, aber wurden positiv überrascht. Die drei Polizisten checkten unsere Dokumente und baten uns dann mit zur Wache zu kommen. Der Wald wäre nicht sicher und sie möchten uns gerne bewachen, während wir schlafen. Die drei hätten sogar gewartet, bis wir unser Abendessen beendet haben. Wir entschieden uns dazu das Essen zu verschieben und direkt zu fahren. Also wurden wir zur Polizeiwache eskortiert, uns wurde Toilette und Dusche angeboten und man fragte uns noch mehrfach, ob man sonst noch was für uns tun kann. Wir bedankten uns, brachten eine Runde Bier zur Wache und aßen dann etwas verspätet doch noch zu Abend. Wir standen nicht ganz so schön wie im Wald, aber sicher fühlten wir uns jetzt auf jeden Fall.

Morgens machten wir uns dann auf den Weg nach Armero. Der Ort ist durch seine tragische Geschichte über Ländergrenzen hinweg bekannt. 1985 wurde 2/3 der Stadt durch eine Schlammlawine begraben, die durch den Ausbruch des Ruiz Vulkans entstanden ist. Von den 29.000 Bewohnern überlebten nur knapp 9.000. Forscher hatten Monate vorher vor einem Ausbruch des Vulkans gewarnt, leider wurden die Warnungen von der kolumbianischen Regierung ignoriert und so wurden die Bewohner am späten Abend von der Schlammlawine überrascht. Es gab nachdem bekannt wurde, dass die Regierung untätig zugesehen hatte einen landesweiten Aufschrei und viele Vorwürfe der Bevölkerung. Armero wurde am 13. November 1985 quasi ausgelöscht und auch nie wieder aufgebaut. Die Bilder zum Ausmaß der Zerstörung sind krass und in der Tat hatten wir ein ziemlich mulmiges Gefühl mit Bruno durch die Überreste des Ortes zu fahren und dann dort spazieren zu gehen. Kein Platz, an dem wir schlafen wollten, das stand fest! Es ist krass zu sehen, dass bei vielen Häusern das komplette Erdgeschoss versunken ist. Hier waren am 13. November 1985 20.000 Menschen lebendig begraben worden.
Wir liefen zum Friedhof, der scheinbar von Grabräubern komplett geschändet wurde. Alle Gräber sind geöffnet und man blickt auf die Überreste der Gebeine. Der Friedhof war einer der Zufluchtsorte für Leute, die es rechtzeitig aus den Häusern geschafft hatten. Er lag auf einem kleinen Hügel und rettete so einigen Menschen das Leben.

Nach einer kleinen Wanderung über grüne Wiesen, die immer wieder gespickt von weißen Holzkreuzen mit Namen und dem immer selben Todesdatum sind, gelangen wir an eine Art Gedenkstätte. Hier wird dem damals 13 jährigem Mädchen Omayra gedacht und wir sind beeindruckt und verwirrt zugleich mit welcher Hingabe Leute hier Geschenke anrichten, Marmorgedenktafeln platzieren und das immer selbe Foto aufhängen. Die Geschichte erschloß sich uns zunächst nicht und wir rätselten, ob das Mädchen die Katastrophe überlebt hat oder nicht.

Später erfahren wir, dass Omayra nicht überlebt hat. Die Geschichte ist einzigartig und tragisch zugleich. Die ersten Hilfskräfte vor Ort entdeckten das Mädchen in den Trümmern ihres Hauses. Es steckt bis zur Hüfte im Geröll und kann nicht befreit werden. Zu diesem Zeitpunkt fehlt es an allem. Gerätschaften, Ärzte, Hilfe der Regierung.
Omayra ist eingeklemmt, da sie hockt und zwischen ihrem Gesäß und ihren Waden eine Betonplatte liegt, die sich nicht verschieben lässt. Außerdem gibt es Quellen, die sagen, dass die Leiche ihrer toten Tante ihre Beine zusätzlich noch festhielt. Das einzige, was die Leute vor Ort tun können, ist Omayras Situation verbessern und ihr das Leben erleichtern. Es werden Planken gelegt und ein Gummireifen besorgt, damit sie sich entspannen kann. Im Laufe der nächsten 2 Tage wäre sie dann fast ertrunken, da der anhaltende Regen die Grube immer weiter mit Wasser füllt und es keine Möglichkeit zum Abpumpen des Wassers gab, da Strom und eine Pumpe fehlte. Am Ende des zweiten Tages ist immer noch keine Hoffnung und Hilfe in Sicht und Omayra wird schwächer und schwächer. Wieder wird der Regierung vorgeworfen, den Ort Armero vollkommen im Stich gelassen zu haben. Die Helfer diskutieren und es wird am Ende entschieden, dass man das Kind sterben lässt, da man es nicht bergen kann. Diese Tatsache ist und bleibt für uns unvorstellbar. Wie verrückt und verzweifelt diese Situation gewesen sein muss. Als Außenstehender sagt man schnell, da muss man doch was machen können in 60 Stunden, aber mein Respekt vor den Helfern vor Ort verbietet mir, das weiter zu denken. Ich bin mir sicher, dass die Leute alles getan haben, was in ihrer Macht stand um das Kind zu retten. Schlussendlich ging man davon aus, dass ihre Beine amputiert werden müssten, wenn man sie gewaltsam aus der Grube zieht und dazu fehlten Ärzte, Werkzeug, Material und Medikamente. Diese Qualen ersparte man Omayra am Ende. Nach 60 Stunden stirbt sie an Erschöpfung und giftigen Gasen in den Trümmern ihres Elternhauses.
Die Regierung wird bis heute für Omayras Tod und den der Bewohner Armeros verantwortlich gemacht.
Omairas Bild geht 1985 um die Welt und wird Pressefoto des Jahres. Anders als ihre Mutter hatte es der französische Fotograf Frank Fournier von Bogota aus bis Armero geschafft und begleitete Omayra die letzten Stunden bis zu ihrem Tod. Wer mehr dazu lesen will findet einen Artikel in der Zeit und natürlich bei Wikipedia (nur in Englisch) sowie Beiträge auf Youtube / Youtube2 (mit englischen Untertiteln).

Nach einem sehr eindrücklichen Vormittag in Armero fuhren wir zum Unheilbringer, dem Vulkan Ruiz. Mittlerweile hatten wir einiges recherchiert, gelesen und auch Videos gesehen und uns wurde die Tragweite der Katastrophe immer bewusster. Manchmal braucht man für das Erfassen des großen Ganzen ein bisschen Abstand und je mehr ich darüber lese, desto surrealer empfinde ich es jetzt, das wir einen Vormittag genau dort waren und durch die Ruinen gelaufen sind. Es war etwas beklemmend zum Vulkan Ruiz zu fahren und dort in der unendlichen Stille die Nacht zu verbringen. Auf 4000 m und mit 5 Grad Außentemperatur beendeten wir den Tag auf der Schotterpiste umgeben von Nebel.

Am nächsten Morgen ging es dann weiter und auf der anderen Seite des Gebirges wieder runter bis nach Manizales. Dort gab es Frühstück, frisches Brot und neues Guthaben für die Sim Karten, bevor wir etwas außerhalb der Stadt am Chalet San Luís landeten.

Patricia und die Hunde begrüßten uns herzlich und es gab erstmal frische Limonade mit Limetten und Orangen aus dem Garten. Wir hatten schnell erkannt in welchem Paradies wir gelandet sind und so blieben wir drei Nächte und ließen es uns mit wahnsinnig tollem Ausblick gut gehen. Unser Ausblick von der Terrasse ging genau auf den Los Nevados Nationalpark und ich kann wohl guten Gewissens behaupten, dass uns nicht ganz wohl dabei war die Rauchwolken des Vulkans Ruiz aufsteigen zu sehen. Weiterhin ist der ganz schön aktiv.

Hanno konnte im Chalet in Ruhe arbeiten und ich kam sogar noch zu der Gelegenheit meine ganz eigene Hand voll Kaffee zu produzieren. Nach dem Pflücken der roten Früchte wurden diese erst mal einen Tag in der Sonne getrocknet. Danach wurde per Hand geschält. Für ein kleines Schüsselchen brauchten wir zu dritt 4 Stunden. Puh. Dann wurde nochmal in der Sonne getrocknet, bevor die Bohnen in der Pfanne geröstet wurden. Nach dem Abkühlen gings dann in die Mühle und dann in den Siebträger. 2 Tage Arbeit lagen hinter mir, bevor ich meine Tasse in der Hand hielt. Leider ist er beim Rösten sauer geworden. Da gehört dann doch ein bisschen mehr know-how zu als ich vermutet hätte. Schade, aber trotzdem eine tolle Erfahrung seinen eigens erarbeiteten Kaffee zu trinken. Ab jetzt werde ich wohl guten Kaffee noch mehr schätzen als eh schon. Welch ein Glück, dass der gute Kaffee kommen würde. Wir befinden uns nämlich mit Manizales am nördlichen Tor zur Kaffeeregion Quindio.

Tag 1001-1007 | Highway 55, Nobsa, Tibasosa, Tunja, Villa de Leyva, Boyacá, Kolumbien

Tag 1001-1007 | Highway 55, Nobsa, Tibasosa, Tunja, Villa de Leyva, Boyacá, Kolumbien

Über die Serpentinen ging es zurück auf befestigte Straße und wir hielten im ersten Örtchen um Mittag zu Essen und um gerade noch in einem der in Lateinamerika überall vorhandenen Partygeschäften Luftballons und Geburtstagskerzen zu kaufen.

Dann gings weiter auf den Highway 55, der uns auf dem Hinweg schon mit seinen Mahnmalen zu verunglückten Truckern zum vorsichtig fahren veranlasst hat. Wir haben uns etwas dran gewöhnt, dass die Kolumbianer wie die Irren fahren, trotzdem freuen wir uns nach Ankunft am Schlafplatz fast täglich, wenn keiner versucht hat uns umzubringen.

Wir schliefen dann auf einer brachliegenden Fläche neben dem Highway an einem Fluss. Am Anfang waren wir medium begeistert, aber am Ende entpuppte sich der Platz doch als ziemlich schön und entspannt. Nachmittags gingen wir noch eine Runde mit Chico spazieren, der einen Heidenspaß mit den unzähligen Glühwürmchen hatte und dann wurde noch ein Geburtstagskuchen für Sarah gebacken.

Am nächsten Morgen überraschten wir Sarah dann mit einem Apfel-Geburtstags-Kuchen und Luftballons und Hanno freute sich, dass Sarah direkt eine Runde Kuchen schmiss. Chico dagegen hatte an diesem Morgen einen Narren an Tobi gefressen und spätestens seitdem muss Tobi eigentlich zugeben, dass nicht alle Katzen doof sind. 😉

Nach einem gemütlichen Vormittag ging es dann weiter nach Nobsa.

Da es Sarahs Geburtstag war, durfte sie heute das Programm wählen und wir freuten uns, dass wir eingeladen waren, dabei zu sein. Wenn Tobi und Sarah nicht gerade von einer Bäckerei zur nächsten springen oder Bananenmilchshakes verdrücken, trinken sie Wein. Daher war es kein Wunder, dass wir eins der wenigen Weingute Kolumbiens ansteuerten. Der Ort war wunderschön und der Wein grottenschlecht.

Wir durften zwei Weißweine und frischen Traubensaft probieren. Nachdem wir beide Rieslinge des Weinguts verworfen hatten, überlegten wir stattdessen zur Feier des Tages eine Flasche Rotwein von der Karte zu bestellen. Wir staunten nicht schlecht, dass das Weingut über 1.000.000 Pesos (etwa 250€) für ihren 2016 Jahrgang haben wollte. Vielleicht sehen die Kolumbianer andere Qualitäten als wir in diesen Weinen…

Am Ende bestellten wir eine Flasche Traubensaft zur Käseplatte, da keiner von uns noch einen Schluck Wein wollte. Brrrr.
Danke nochmal für die Einladung ihr zwei! Das war ein echt geselliger, schöner Nachmittag!

Weiter ging es dann nach Tibasosa. Das Örtchen ist bekannt für seine Spezialitäten mit Feijoa (Guave) und wir wollten uns mal durchprobieren. Aber als erstes kam die Blaskapelle vorbei. Wir fühlten uns eh schon, als wären wir in einem kleinen bayrischen Dörfchen gelandet. Die Musikeinlage machte unser Bild perfekt.
Dann gings einmal rund um den Marktplatz und wir checkten die unterschiedlichen Geschäfte aus. Am Ende landeten wir bei einer netten Dame und es gab Feijoa Eis, Likör und Honig-Craft Beer.

Als Abschluss von Sarahs Geburtstagstag sollte es dann noch zum Italiener gehen. Der hatte aber leider zu und wir brauchten eine Alternative. Am Ende landeten wir bei einem anderen Italiener an einem von zwei Tischen, die gefühlt in deren Wohnzimmer standen und ließen uns auf das Experiment ein. Es gab kein Menü und der Chef erzählte uns, was er für uns kochen könnte. Am Ende gabs für uns eine Calzone, eine Lasage und zweimal Nudeln mit Shrimps.
Der Chef verschwand mit seiner Frau in die Küche und der Sohn fuhr mal schnell mit dem Rad die fehlenden Zutaten kaufen. Sowas finde ich sympathisch.
Auch wenn der andere Italiener bestimmt etwas gehobener gewesen wäre und unser Essen an diesem Abend vermutlich auch nicht in Erinnerung bleiben würde, wars ein schöner, lustiger Abend und der Chef des Restaurants echt nett.

Am nächsten Morgen, als wir mit Chico spazieren waren, wurden wir von einer Dame abgefangen und sie bestand darauf uns zu sich nach Hause einzuladen. Es gab kein Entkommen, also verschoben wir unsere Abfahrt nochmal und liefen mit ihr durchs Dorf.
Sie war sichtlich stolz darauf uns im Schlepptau zu haben und erzählte jedem Menschen, dem wir begegneten, dass wir Reisende aus Deutschland und ihre Freunde sind.

Ihr Haus war riesig und wir lernten dann auch noch ihren Sohn kennen. Langsam dämmerte uns, dass die Einladung eine Spende nach sich ziehen könnte. Unser Spanisch war zu schlecht um alle Details zu verstehen, aber sie erzählte uns von ihrer Stiftung und das der Staat sie nicht unterstützt. Ihr Sohn hat das Down-Syndrom und die Dame setzt sich wohl für Menschen mit Behinderung ein.
Wir versuchten dann, irgendwie wieder aus der Situation raus zu kommen und überzeugten die Dame am Ende davon, dass wir mit ihrem Sohn vor dem Auto noch ein paar Fotos machen können, bevor wir abfahren.
Aber erstmal wurden wir noch mit einer Tüte voll Papayuelas (Mini-Papayas) und zwei Bechern Tinto (traditioneller wässriger Kaffee mit Zucker) versorgt. Bei der Recherche zum Tinto bin ich auf einen lustigen Artikel gestoßen, der den Nagel ziemlich auf den Kopf trifft: Kolumbiens scheußlicher Kaffee. Wann immer möglich, versuchen wir den Kaffee abzulehnen, aber oft hat man keine Chance oder ist mit entsetzten ungläubigen Gesichtern konfrontiert, wenn man versucht höflich abzulehnen.

Dann schafften wir endlich den Absprung und es ging nach einem Stop in einem großen Supermarkt in Tunja nach Villa de Leyva.

Villa de Leyva hat mich sofort verzaubert und ich war einverstanden ein paar Tage hier zu verbringen während Hanno seine Einarbeitung für den neuen Job hat. So bummelten wir täglich durch die Gässchen, genossen die ersten Fußgängerzonen seit langer Zeit und bewunderten die herausgeputzten kolonialen Häuschen, netten Lädchen und Restaurants.

Villa de Leyva ist eine der Toursitenhochburgen des Landes und es war daher nicht verwunderlich, dass wir eine französische Bäckerei, eine Craftbeer-Brauerei, weitere gute Bäckereien mit echtem Brot und viele süße Restaurants fanden.

Gecampt wurde auf dem Parkplatz der Schule von dem alles fußläufig erreichbar war. Also wirklich perfekt.

Mit Sarah und Tobi stiegen wir dann noch hoch zu Jesus auf den Berg am Rande des Örtchens. Zur Belohnung gabs danach ein Eis am Marktplatz. Vor dem Regen waren wir wieder an den Autos und die Nacht über schüttete es wie aus Eimern. Immerhin haben wir Bruno mittlerweile dicht. Kolumbiens Regenzeit hat begonnen und ab jetzt müssen wir jeden Tag mit einigem an Regen rechnen.

Passend zum Schmuddelwetter am Abend machten wir es uns dann gemütlich. In Tunja hatten wir echte, gute Burrata, getrocknete Tomaten und echten Gouda gefunden. Zusammen mit einem leckeren Rotwein war der Einkauf nicht günstig, aber jeden Peso wert gewesen.

Mit dem frischen Feigenbrot und Olivenbrot gab es ein richtiges Festessen. Hmmmmm.

Tobi und Sarah hatten nach 3 Nächten Hummeln im Hintern und es war Zeit tschüss zu sagen. Den letzten Abend wollten wir daher nochmal gemeinsam Essen gehen. Es war Sonntag Abend und mehr tote Hose als erwartet. Als erstes landeten wir bei einem Mexikaner. Die Cocktails waren mittelmäßig und die all-you-can-eat Taco-Bestellung hatte der Kellner scheinbar als Scherz aufgefasst.

Etwas enttäuscht und ohne Tacos ging es dann weiter auf die Suche nach was Süßem. Sarah und ich hätten gerne eine Waffel gehabt. Leider stimmten die Öffnungszeiten bei Google vom Waffelhaus nicht und wir standen vor verschlossener Türe. Nach einer weiteren Runde durch die Stadt gab es dann doch noch eine Waffel und danach ging es zurück zum Mexikaner.

Tobi und Hanno wollten es ein zweites Mal mit einer all-you-can-eat Tacobestellung versuchen.
Wir setzten uns an den gleichen Tisch und bestellten noch eine Runde Getränke und zweimal Tacos. Die Regeln waren simpel. Wenn die Teller leer sind, gibts neue Tacos. Wir Mädels dürfen nicht helfen und man kann die Tacos von der Speisekarte wählen. Die Zeit läuft eine Stunde. Hörte sich gut an und die beiden Jungs hatten große Ziele.

Nach der ersten Runde war klar, dass es ein Battle gegen die Küche wird, nicht gegen den vollen Bauch. Die war ganz schön langsam und die Jungs saßen auf heißen Kohlen und würden sich definitiv nicht überfressen an dem Abend.
Nach der Stunde hatten sie es beide gerade so in den zweistelligen Taco-Bereich geschafft und hätten definitiv noch Platz für mehr gehabt.
Nicht ganz ausgereift das Konzept, aber die Tacos waren lecker und wir hatten unseren Spaß.

Am nächsten Vormittag sagten Sarah und Tobi dann Tschüss. Die beiden würden wir vermutlich erstmal nicht wieder sehen. Die sind ein ganzes Stück schneller unterwegs mit ihrem Sprinter. Die Chance besteht ganz vielleicht noch kurz vor der Verschiffung unten im Süden oder eben dann, wenn wir alle zurück in Deutschland sind. Die zwei Wohnen ja auch in NRW und auf einen Weinabend oder eine weitere Bäckereitour würden wir es bestimmt schaffen.

Für Hanno hieß es dann zwei Tage intensiv arbeiten und ich machte weiter mit meiner Fortbildung, die etwas kurz gekommen war, wärend wir in den Bergen waren.
In den Arbeitspausen ging es dann regelmäßig in die Stadt zum Bäcker und wir kauften noch den Teppich, den ich am Vortag entdeckt hatte.

Am letzten Abend in Villa de Leyva wurden wir dann mit einem „Hey, oecher Printe!“ aus dem Auto gerufen.
Vor uns stand ein Herr aus Bonn, der vor ein paar Jahrzehnten beruflich von der Lufthansa nach Kolumbien versetzt wurde. Er war nach seinem Ruhestand geblieben und scheinbar voll und ganz in Kolumbien angekommen. Er lud uns auf seine Finca ein, die sich sicher sehen lassen kann. Leider war seine Wegbeschreibung so kompliziert, dass wir direkt durcheinander kamen und keine Chance hatten die Location jemals zu finden. Vielleicht sollten sie in Kolumbien mal anfangen Straßennamen und Hausnummern auch auf dem Land zu etablieren. Das würde uns zumindest das Leben leichter machen. Schon schade, dass wir es nicht hinbekommen haben, aber andererseits hatte Hanno den Kopf mit Arbeit voll.