Tag 600-622 | Puerto Escondido, Laguna Manialtepec, Cerro Hermoso, Roca Blanca, Oaxaca, Mexico

Tag 600-622 | Puerto Escondido, Laguna Manialtepec, Cerro Hermoso, Roca Blanca, Oaxaca, Mexico

Die Strecke von San Sebastian de las Grutas war lang und anstrengend. Beinahe die gesamte Zeit ging es über Serpentinen Berg auf und ab. Die Straße war in schlechtem Zustand, die Mexikaner überholten an Engstellen und in Kurven und es gab Passagen, da war die Hälfte der Fahrbahn weggebrochen und es klafften tiefe Löcher in der Straße. Erst im späten Nachmittag kamen wir am Pazifik an. Nach drei Monaten schnupperten wir wieder Meerluft. Herrlich. 

Puerto Escondido entpuppte sich ziemlich schnell als weitere Touristenhochburg. Erstaunlicherweise kamen zu den amerikanischer Touristen und Auswanderern eine große Anzahl deutsche, französische und britische Touristen. Hier wurde Strandurlaub gemacht, man quetschte sich im Sand und beim Surfen zwischen all die anderen, die Bars und Restaurants waren voll und fast jeden Abend gabs irgendwo eine große Party. COVID – scheint hier nicht zu existieren. Wir trafen im Line-up beim Surfen Kölner, Berliner und Leute aus Bayern. 

Insgesamt war es überall so richtig voll. Ich hatte die vergangene Woche nach Surfschulen und Spanischschulen gegoogelt und einige Angebote mit Kombinationen aus Surfen und Spanisch gefunden, die gut klangen. Nach unserer ersten Runde Surfen war klar, dass wir denen aber doch lieber kein Geld geben. Die Surflehrer benahmen sich unter aller Sau. Sie schubsten die Anfänger in bereits belegte Wellen, stellten die Bretter quer um den Weg zu blockieren, ließen die Anfänger mitten durch das Line-up paddeln und waren insgesamt echt unverschämt. Dazu kam, dass wir mit 30-50 Mann dort am Point Break saßen und man ewig wartete bis man überhaupt an eine Welle kam. Und dann musste man noch schauen, dass man von einem Anfänger nicht über den Haufen gefahren wurde. Uns verging ganz schön schnell der Spaß.

Wir entschieden, da gerade Neumond war, zur Lagune Manialtepec zu fahren und am Abend eine Leuchtplankton-Tour zu machen. Die Bioluminiszenz sieht man am besten wenn es richtig dunkel ist und das passte gerade ganz gut. Statt um 19 Uhr ging unsere Tour mit mexikanischer Pünktlichkeit um 21 Uhr los. Wir hatten zu dem Zeitpunkt schon eine Flasche Wein geleert und waren uns sicher, dass man uns vergessen hatte. Gut gelaunt ging es dann doch noch auf unser privates Boot und zu einem der vielen schwimmenden Zelte im Wasser. Die Zelte waren ohne Boden und boten komplette Dunkelheit. Gut 1 Stunde eierten wir dann durchs Wasser, strampelten und ließen die Arme durchs Wasser gleiten. Alles glitzerte und leuchtete. Richtig intensiv und hell. Sehr magisch. Weniger magisch war, dass wir von Minute zu Minute glibbriger und schleimiger wurden und nach einer Stunde ziemlich unbeholfen zurück ins Boot flutschten. Zurück am Ufer musste eine Dusche her. Wir waren überzogen mit Planktonschleim. Nach einem heiteren Abend am Lagerfeuer ging es dann ins Bett. Fotos haben wir leider keine, aber hier gibts welche von der Lagune bei Nacht: National Geographic

Am nächsten Morgen frühstückten wir mit Blick aufs Wasser. Jetzt war klar, warum man erst im Dunkeln von den Touranbietern abgesetzt wurde. Die Lagune bestand aus brauner Brühe mit ekligem gelben Schaum. Wir schauten danach lieber in die Luft und staunten über die vielen verschiedenen Vogelarten, die in den Mangroven lebten. 

Von der Lagune aus ging es zurück nach Puerto Escondido und wir versuchten ein bisschen die Küste runter Surfwellen mit weniger Touristen zu finden. Nach der zweiten Straße, die wegen Überschwemmungen nicht mehr passierbar war, gaben wir auf und fuhren zurück in die Stadt. Wir gingen noch einkaufen und trafen uns mit Willow, Lee und Jaro wieder auf dem Parkplatz, wo wir bereits übernachtet hatten. Es war Pfannekuchentag in England. Also machten wir eine kleine Party daraus.

Nach drei Tagen Suche hatten Willow und ich dann endlich auch zwei passende Surfboards gefunden und waren echt happy. Kein unglaublich günstiges Angebot aber gute und für uns passende Boards. Juhu! Mein Shortboard war okay, aber ich verlor den Spaß weil ich immer von allen abgehangen wurde, die bequem auf ihren langen Boards rauspaddelten und mit wenig Mühe Wellen bekamen. Jetzt mussten wir nur noch den perfekten Surfstrand finden und einen Käufer für mein altes. 

Unsere Reifen, die eigentlich am 7. Januar in Mexico sein sollten waren auch endlich angekommen. Statt uns zu fragen bzw. auf unsere vor über einer Woche gesendeten Mail einzugehen, hatte man sie einfach nach Oaxaca City gesendet. Grandios. Wir diskutierten einige Tage mit Michelin und einigten uns darauf, dass die Reifen für uns kostenlos bis nach Puerto geliefert wurden. 

Es war absehbar, dass das mit den Reifen wohl länger dauern würde, als man uns ursprünglich versprochen hatte und so machten wir uns auf Richtung Westen nach Cerro Hermoso. 

Die erste Nacht war nicht so der Bringer. Wir standen an einem Restaurant, dass von einer etwas merkwürdigen Familie betrieben wurde. Alle waren richtig betrunken und zwar die komplette Zeit, die wir dort waren. Die Krönung war, dass jemand Nachts mit seinem Auto mit voller Geschwindigkeit neben unseren Campern in eine Mauer fuhr und am nächsten Morgen ein Typ in Fußfesseln aus Stahl zwischen den Campern auf den Hof kotzte.

Wir fanden dann relativ schnell ein Hotel die Küste runter und wurden von einer netten Familie empfangen. Hier wollten wir bleiben bis unsere Reifen endlich da waren… Es wurden zwei Wochen.

Leider war hier noch keine Surfsaison und wir konnten mit den Surfbrettern nur in den weißen Wellen spielen. Unsere Tage bestanden dann aus Online Spanischkurs, Strandspaziergängen, Bremsflüssigkeitsaustausch, dem Nähen einer Tasche für die Surfboads, kleinen Einkaufstouren, Strandnachtwanderungen mit Chico und Interaktion mit unseren Gastgebern.

Highlight waren die Abende, an denen für uns gekocht wurde. Mal gab es ganzen Fisch mit Chilisoße oder Knoblauch, dann Pescadillas und ab und zu auch mal einen Bissen von den Tellern der Familie. So probierten wir gegrillten Leguan, Tapioca und bekamen einen ganzen Ast Kokusnüsse geschenkt. Jaro und Hanno verbrachten dann einige Zeit damit die Kokusnüsse zu schälen und die Technik des „Köpfens“ zu erlernen. Nur die erste wurde mit der Bohrmaschine geöffnet 😉

Für einen kurzen Abstecher ging es dann noch nach Roca Blanca, aber auch da war kein Surfen möglich und der Parkplatz war weniger gemütlich. Also gings nach einer Nacht zurück zu unserer Familie am Hotel.

Wir wussten, dass im Ort auch Schildkröteneier gegessen wurden und waren trotzdem schockiert, als sie bei der Familie auf dem Mittagstisch landeten. Alle Schildkröten zählen zu den bedrohten Arten und es ist definitiv falsch sie zu rauben und zu essen. Aber es ist auch verdammt schwer sich einzumischen und hier, wo die Eier in 100ten am Strand zu finden sind, bewusst zu machen, dass die Tiere vom Aussterben bedroht sind. 

In der Gruppe gab es große Diskussionen zu Artenschutz und Tradition und wir fanden bis zum Ende keine angemessene Lösung für die Vermittlung der Problematik. Puh. 

Für die Kinder der Familie und deren Freunde aus dem Dorf machten wir dann noch zwei Filmabende mit spanischen Disneyfilmen und Popcorn. Das war cool, denn wir lernten dabei auch eine Menge. Die Kinder verloren dann auch immer mehr ihre Schüchternheit. Das was einerseits cool, aber auf der anderen Seite auch anstrengend. Die Kleinen standen Morgens schon vor dem Camper, bevor wir überhaupt richtig wach waren und hampelten dann immer irgendwo zwischen uns rum. Das war dann wohl das letzte Zeichen, dass es Zeit war weiter zu ziehen.

Ein Gedanke zu „Tag 600-622 | Puerto Escondido, Laguna Manialtepec, Cerro Hermoso, Roca Blanca, Oaxaca, Mexico

  1. Ihr hattet ja wieder wunderschöne Erlebnisse und schon wieder sooo schnell Kontakte geknüpft das find ich einfach super. Paß weiter auf euch auf. Wie wird denn in Mexiko Ostern gefeiert? Bin mal auf euren nächsten Block gespannt.
    Liebe Grüße Margret

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