Tag 1119-1127 | Chacra y Mar, Lima / Laguna de Morón, Paracas Nationalpark, Huacachina, Nasca Lines, Cerro Blanco Duna, Ica / Volcan Pachapupum, Millpu, Ayacucho, Peru

Tag 1119-1127 | Chacra y Mar, Lima / Laguna de Morón, Paracas Nationalpark, Huacachina, Nasca Lines, Cerro Blanco Duna, Ica / Volcan Pachapupum, Millpu, Ayacucho, Peru

Auf dem Weg Richtung Küste kontaktierten wir dann schon unsere potentielle Unterkunft für die Nacht. Das Hotel hieß Eco Truly Lodge und war kurz vor Lima Stadt. Die Kommunikation via WhatsApp war schon äußerst mysteriös. Nachdem wir einige komische Fragen beantwortet hatten (Seid ihr Vegetarier?, Trinkt ihr Alkohol? …) hatten wir die Zusage und fragten uns, wo wir da wohl landen.

Als wir ankamen war dann alles klar. Wir waren in der Sekte von Hare Krishna gelandet. Dinge, die einem so passieren, oder?! Wir grinsten uns an, nahmen es mit Humor und Neugier und ließen uns drauf ein. Einer der Bewohner führte uns die nächste Stunde über das Gelände. Wir bekamen die Häuschen zu Gesicht und lernten die Regeln (kein Ei, kein Fleisch, kein Fisch, kein Sex (außer zur Reproduktion), keine Drogen, kein Alkohol, kein Kaffee, kein Glücksspiel). Wir liefen durch den Gemüsegarten aus dem das lokale Restaurant seine Zutaten holt und dann gings in den Tempel. Nach einem kurzen Rundgang gings zum Mantra. 108 mal sang unser Guide das Hare Krishna Mantra und ehrlich gesagt waren wir uns sicher es würde nie enden. Er animierte uns und die weiteren 4 Gäste zum Mitsingen, aber wir blieben alle stumm. Total die unangenehme Situation zwischen Fremdscham, Komik und Respekt. Am Ende erlöste uns ein anderer Gast, der sagte, er hätte Hunger und würde jetzt ins Restaurant gehen.
Wir besuchten dann noch Hanno-mann (Hanuman) den verrückten Affengott, der hier verehrt wird.

Eigentlich hatten wir richtig Bock auf Indisch und gegen Vegetarisch haben wir ja auch nix. Als wir dann aber feststellten, dass der Gemüsegarten mit den Fäkalien aus den Komposttoiletten der Anlagen gedüngt wird, verging uns die Lust. Cholera-to-go brauchten wir nun gerade wirklich nicht.

Also gabs Nudeln mit Pesto und für Chico heimlich Felix-Nassfutter. Chico hatten wir eh lieber nicht erwähnt, keine Ahnung was die von Haustieren halten. Wir hatten beschlossen ganz früh weiter zu fahren, erstens um früh durch Lima Stadt zu kommen und zweitens, damit wir einen Kaffee trinken konnten.

Morgens um 7 rollten wir also vom Hof der Lodge und es ging rein in den Nebel. Lima begrüßte uns mit dem typischen Wetter. Grau und ungemütlich. Hanno hatte sich dann in den Kopf gesetzt in Lima noch Gaskartuschen zu kaufen. Wir brauchen die für unseren Kocher auf dem wir mit dem Omnia backe, z.B. Mamas Apfelkuchen, Brot und Brötchen. Am zweiten Baumarkt wurde er dann fündig, wenn auch zu einem unverschämten Preis. Das beste an Lima war dann die Fahrt raus, wo wir an einer bekannten Lehmofen-Bäckerei hielten. Wir probierten uns quer durch die Karte der gefüllten Spezialitäten und kauften dann noch eine zweite Runde für den Abend. Lecker!

Nachmittags kamen wir dann an der Laguna Morón an. Pünktlich zum Sonnenuntergang. Das ganze würde ich als riesige Düne bezeichnen. In der Mitte befindet ich ein See mit Pflanzen.

Es war ruhig an der Laguna Morón und wir fühlten uns wohl. Also blieben wir zwei Nächte, genossen die Stille, das Alleinsein, die Spaziergänge im warmen Sand und die wahnsinnig tollen Sonnenuntergänge.

Vormittags wurde die Region von einem starken Erdbeben erschüttert. Wir standen nur wenige Kilometer vom Epizentrum entfernt und es war verrückt, wie stark Bruno wackelte. Als wäre jemand sehr Fettes hinten auf das Trittbrett gesprungen. Wir saßen gerade beim Frühstück und schauten uns nur verdutzt an. Da wir ein ähnliches Erlebnis in Nicaragua am Strand schonmal hatten, wussten wir dieses Mal ziemlich schnell, dass es ein Erdbeben war.

Dann gings an die Küste zum Paracas Nationalpark. Endlich mal Strand ohne Müll! Die Küste war rau und der Wind pfiff einem ordentlich um die Ohren. Wir genossen die Fahrt durch den Sand, hielten an Aussichtspunkten und hielten die Augen nach Robben offen. Am Ende wars uns dann aber deutlich zu windig und zu kalt und wir fuhren wieder ein Stück ins Landesinnere.

Nachmittags kamen wir in Ica an. Der Parkplatz den wir für die Nacht auserkoren hatten war leider höhenbeschränkt und wir passten nicht rein. Der Besitzer war sich aber sicher und reduzierte unseren Reifendruck. Tja, klappte trotzdem nicht und so verloren wir fast eine Stunde damit Bruno Reifen wieder auf einen fahrbaren Reifendruck zu bekommen.

Wir fuhren dann weiter nach Huacachina, das große, touristische Äquivalent zu unserer idyllischen Laguna Morón.

Wir fanden in einem Hostel einen sehr komfortablen Stellplatz. Küche, geniale Badezimmer mit sauberen heißen Duschen, Pool, Bar und Prime-Location in der Oase. Nachdem wir geparkt hatten ging es dann mit Chico an der Leine in den Sand.

Hanno nutzte den nächsten Tag zum arbeiten. Gutes Internet in Peru zu finden war gar nicht so einfach. Das Hostel hatte zumindest mal eine Verbindung die zum Telefonieren einigermaßen funktionierte. Also riefen wir zu Hause an und brachten uns und die Family auf den neusten Stand. Klar gings auch eine Runde in den Pool schwimmen. So einen Luxus müssen wir ja nutzen.

Die Dynamik in Huacachina war eine komplett andere als in Morón. Huacachina war quasi der große Spielplatz für Erwachsene. Discotheken, Buggytouren, Sandboarden, Luxushotels, Ruderbootfahren, Souveniershops, Restaurants, Bars, Eintrittsgeld, wenn man auf den Sand will und und und. Wir sahen uns den Zirkus an, entschieden aber, dass wir nicht Teil sein wollen. Wir fanden einen Weg um das Eintrittsgate herum und schauten uns das bunte Treiben zum Sonnenuntergang von der Spitze einer der Dünen an. Danach verkrümelten wir uns an die Poolbar und stießen mit einem Pisco Sour an. Immerhin würden wir nie mehr so nah an Pisco Stadt rankommen und mindestens einmal musste das Nationalgetränk getrunken werden. Mein Favorit ist es nicht. Ich kann mir Leckereres vorstellen als roher Eischaum und hoffte, dass das Ei wenigstens frisch war und wir nicht die nächsten 24 Stunden auf der Toilette zubrachten.

Dann gings auch schon weiter zu einem von Perus Highlights. Den Nazca-Linien. Wir bestiegen den Aussichtsturm und sahen Frosch, Baum und Eidechse. Ich kann gar nicht so richtig sagen, was wir empfanden. Es war kein großer Wow-Effekt aber auch nicht die Enttäuschung. Irgendwas dazwischen?! Irritiert waren wir darüber, dass die Autobahn einfach mitten durch die Eidechse geführt wurde. Scheint so, als würde Peru nicht wirklich Wert auf diese Inka-Relikte legen. Komische Sache.

Ich kann mir vorstellen, dass das Ganze aus dem Flugzeug heraus deutlich beeindruckender ist. Man sieht mehr Figuren auf einer riesigen Fläche und das Ausmaß (über 1500 verschiedene Bilder auf 500 Quadratkilometern) ist vermutlich das, was es so beeindruckend macht.

Hanno wollte dann noch die Katze sehen und wir zahlten ein zweites Mal Eintritt. Die Katze war dann aber wirklich enttäuschend. Schwer zu erkennen.

Weiter gings durch Nazca Stadt bis zur Duna Cerro Blanco. Die gilt als höchste Düne der Welt. Wir nutzten die Offroadstraße nur um ein schönes Camp für die Nacht zu finden. Zwischen Sand, Steinen und Kakteen fanden wir unseren Platz und gingen dann noch ein bisschen mit Chico spazieren. Hoch auf die Düne bekamen mich keine 10 Pferde. Von Sarah und Tobi wussten wir wie anstrengend und schweißtreibend diese Unternehmung war.

Nachts wurde es super kalt. Schon in die Tage davor haben wir nachts unter 10 Grad gehabt. Auch hier wurde es direkt eisig, als die Sonne hinter den Bergen verschwand. Wir machten es uns also gemütlich in Bruno und schmissen sogar mal kurz die Heizung an.

Wir hatten uns entschieden am nächsten Tag von der Hauptstraße abzufahren und etwas querbeet über kleinere Straßen nach Cuzco zu fahren. Das bedeutete zum einen, dass wir keinen verrückten peruanischen Autofahrern begegneten, aber auch, dass wir die nächsten 3 Tage mit c.a. 20 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit unterwegs waren. Die Pisten waren 3 Tage lang nur Sand und Staub. Erstmal Reifendruck runter! Wir fuhren dem Horizont entgegen, durch kleine verlassene Dörfchen und durch verrückte Landschaften. Wahnsinnige Weiten die sich da vor uns auftaten.

Am ersten Abend kamen wir dann am Volcan Pachapupum an. Ich würde es eher als Geysir bezeichnen. An der Reaktion des „Hüters“ war schnell abzulesen, dass er wohl noch nicht so viele Ausländer gesehen hatte. Wir waren echt im Nirgendwo gelandet. Nach einer kurzen Tour übers Gelände gings noch für ein kurzes Bad in die lauwarme Quelle. Der eisige Wind trieb uns aber schnell zurück zu Bruno.

Wir hatten uns für die Nacht einfach irgendwo mitten in die Pampa gestellt. Nachts rutschte das Thermometer unter Null. Ohne es so richtig realisiert zu haben waren wir auf einer Hochebene auf 4000 Meter gelandet. Der Coca-Tee vor dem Schlafengehen hat uns vermutlich vor der Höhenkrankheit bewahrt. Früh morgens weckte uns die Sonne und wir gingen mit Chico eine Runde spazieren. Es war unheimlich friedlich da oben auf der Hochebene. Keine Menschenseele, nur Vögelchen, unsere miauende Katze und das knisternde Gras, das langsam in der Sonne auftaute. Wir frühstückten noch gemütlich und gönnten Bruno etwas Sonne auf dem eisigen Motorblock. Chico spielte noch eine Runde im Staub und dann gings weiter über die Piste bis nach Millpu.

Nach über 400 km fanden wir endlich eine Tankstelle und hätten die Dame an der Zapfsäule am liebsten vor Erleichterung umarmt. Knapp wars geworden über die letzten Tage im Nirgendwo.

Millpu belohnte uns dann nochmal mit einem unheimlich tollen Naturphänomen. Wir mussten direkt an Tolantongo in Mexico denken und an Semuk Champey in Guatemala. Wir wanderten die gut ausgebauten Wege entlang, genossen die Aussicht auf die Pools und einen Märchenwald und trafen viele einheimische Touristen. Hanno wurde hier im Hinterland immer wieder „Papi“ genannt. Etwas befremdlich und ich musste mich zusammenreißen um nicht laut los zu lachen. Scheint hier aber die normale Ansprache für einen Mann zu sein.

In Millpu werden Forellen gezüchtet und so aßen wir noch bei einem der kleinen Restaurants frittierte Forelle mit Kartoffeln, Reis und Salat. Die Familie, der das Restaurant gehörte, stellte allerlei Fragen. Woher wir kommen, wie alt wir sind, ob wir verheiratet sind und ob wir Kinder haben. Als ihnen dämmerte das wir über 30 und kinderlos sind wurde ordentlich getuschelt und am Ende kam die Oma des Hauses zu uns um mir beruhigend den Rücken zu streicheln. „Das wird schon“. Vermutlich hat die komplette Familie am Abend für uns und unser Kinderglück gebetet. Eeeeetwas unangenehm.

Das Familienbild auf dem Land in Peru ist wohl das traditionellste dem wir bisher begegnet sind. Oft haben die ältesten Frauen das Sagen im Haus. Sie sind für Kochen, Einkaufen, Saubermachen, Holzhacken und alles rund ums Haus verantwortlich. Das man in unserem Alter keine Kinder hat kann in ihrem Verständnis nur Unfruchtbarkeit als Grund haben. Das man sich bewusst gegen Kinder entscheidet ist für sie undenkbar. Die Mütter die wir sehen sind alle super jung und oftmals selbst noch Kinder. Familie ist hier das höchste Gut und Kinder ein Segen, egal ob man sie sich leisten kann oder nicht. In jungen Jahren wird schon mit angepackt und die Familien haben eine unheimliche Dynamik.

Wir schliefen vor dem kleinen Forellenrestaurant und kauften in dem kleinen Supermarkt (wenn man das dann so nennen mag) noch ein paar Getränke.

Am nächsten Morgen ging es früh weiter und wir fuhren den ganzen Tag durch bis es dämmerte. An einem kleinen See schliefen wir in einer Seitenstraße und am nächsten Morgen ging es auf die letzte Etappe bis nach Cuzco, wo wir uns einen Campingplatz gönnen würden und ein paar Tage einplanten.
Bruno befreiten wir an der nächsten Tankstelle dann schonmal äußerlich mit Druckluft von Staub und Dreck.

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