Tag 128-136 | Moab, Arches Nationalpark, Canyonlands Nationalpark, Shafer Trail, Utah, USA

Tag 128-136 | Moab, Arches Nationalpark, Canyonlands Nationalpark, Shafer Trail, Utah, USA

Hier kommt ein typisches Beispiel zum Unterschied zwischen Planung und Realität. Eigentlich wären wir heute (am Tag 146) während ich diesen Blog schreibe laut Planung schon in Las Vegas, tjoa stattdessen sitz ich mitten im Nichts, roten Sand unter den Flip Flops, gigantischer Ausblick in alle Richtungen, noch immer mitten in Utah…und das hat genau einen Grund: Utah ist genial! Wir wollen einfach noch nicht weiter. Einige Tage haben wir einfach nur vertrödelt, ausgeschlafen, in der Sonne gehangen, die Einsamkeit genossen, Sterne geguckt, Marshmallows überm Feuer geröstet, Gitarre gespielt und die roten Steine überall um uns rum bestaunt. Utah hat uns voll in seinen Bann gezogen. So war schnell klar, hier bleiben wir was. Wie lange es dann doch geworden ist, überrascht uns selbst. Kein Plan wo die Tage hin sind.

Wir waren viel in Moab unterwegs. Ein kleines touristisches Hipsterdörfchen mit jeder Menge Mountainbike-Shops, Reifenhändlern, Offroadverleihern, Outdoorgeschäften und Biosupermarkt. So bekam Hanno endlich seine Angel und ich meine Teleskop-Marshmallow-Röst-Gabel und neue Kerzen für unsere Outdoorlampe. Wir streiften durch die Autoteileshops und besorgten uns ein Reifenflickset, Wunderflüssigkeit für unser leckendes Differenzial und neues Motoröl. Im Hostel fanden wir ne gute, heiße, unlimitierte Dusche für wenig Geld und nutzen die in den nächsten Tagen ausgiebig. Und wir wuschen Wäsche. Das dauert einfach immer lang und ist so mit das nervigste am Leben auf der Straße. Im Visitor Center plünderten wir noch jede Menge Internet um Backups zu machen und unsere Daten zu sichern. Es sammeln sich schon ganz schön viele Fotos auf so nem Trip.

Dann gings in den Arches Nationalpark. Die Erwartungen waren groß, denn Susi und Matthias hatten diesen auf unserer Hochzeitsweltkarte als ihren besonderen Ort markiert. Was soll ich sagen, gefühlt an jeder Haltebucht haben wir angehalten und gestaunt. Fast jeden Wanderweg haben wir gemacht und zu Sonnenuntergang wurden die Farben noch krasser und intensiver. Windows, Arches, Balancing Rocks, Sandtäler, hoch aufsteigende steile Felsformationen. Unglaublich! Ich kann so so so gut nachvollziehen, warum der Arches Nationalpark auf unserer Karte gelandet ist.

Zum Sonnenuntergang waren wir dann pünktlich an Utahs Wahrzeichen dem Delicate Arch. Fantastisches Schauspiel mit diesen unglaublich intensiven Farben. Danach wurde es aber echt flott dunkel.

Zurück zu unserem Wildcampingspot führte eine Offroadpiste direkt aus der Mitte des Parks. „Super Idee“ sagte Hanno, „nur 8 Meilen“ sagte Hanno, „dann brauchen wir nicht wieder den Umweg zurück nach Moab fahren“ sagte Hanno, „machen wir!“ sagte Hanno. 2 Stunden (!!!) später kamen wir völlig fertig im Stockdunklen an. Gute 5 Kilometer war ich im Dunkeln vor Bruno und Hanno mit Taschenlampe hergerannt. Tückische tiefe Felsvorsprünge, Sandfelder und einfach keine Straße mehr. Hat uns ganz schön Nerven gekostet. Die Strecke ist dann doch eher für Quads, Buggys und Mountainbikes geeignet und vielleicht besser bei Tageslicht befahrbar. Insgesamt einfach zu heftig für ein Haus auf Rädern. Allrad und die große Bodenfreiheit hat uns an so mancher Stelle den Ar… gerettet. Unsere Wohnkabine konnten wir danach aber quasi renovieren. Alles was nicht niet- und nagelfest war, befand sich auf dem Boden. Der Kühlschrank hatte sich seines Inhalts entledigt und der Küchenschrank wollte auch neu eingeräumt werden. 

Nach dem Essen gings dann erst mal auf nen Wein zu Marion und Peter (zwei Weltreisende mit IVECO-LKW im Alter unserer Eltern). Wir tauschten uns aus und schmiedeten Pläne für die nächsten Tage. Als am nächsten Morgen dann noch Heike und Hermann mit ihrem MAN-LKW (ebenfalls Aussteiger im Alter unserer Eltern) vorfuhren, war das Overlandertreffen perfekt und wir ließen den Vormittag mit Mobilhome-Besichtigungen, Philosopie über Reifen und Ersatzteile, beste Routen und Wanderwege verstreichen. 

Nachmittags schafften wir es dann noch zum Devils-Garden in den Arches Nationalpark und wir machten die schwere Wanderung. Ehrlich gesagt hatten wir „schwer“ bisher immer belächelt und da auf den ersten Kilometern ebenfalls. „Schwer“ – soll das heißen man läuft durch losen Sand? Haha! Nö, „schwer“ heißt, du kletterst da die Klippe hoch und balancierst auf dem Kamm. Okayyyy. Im Tal verliefen wir uns dann auch prompt und waren ne Stunde lang echt verwirrt bis wir den Ansatz von einem Weg wieder fanden. Die Landschaft war unglaublich. Durch Berge und Täler gings in knappen 5 Stunden und wir packten es mal wieder so gerade vor Sonnenuntergang. Richtige Spezialisten waren wir wiedermal. 

Die nächsten drei Tage verbrachten wir dann am Wildcampingplatz und brachten Bruno auf Vordermann und Hanno arbeitete an einem kleinen Projekt. Die seit 1,5 Monaten mitgeschleppten Strahler haben wir endlich angebracht und alle Kabel verlegt. Die Strahler erfüllen ihren Zweck und  haben wie angepriesen echt Bums! (Das war meine Bedingung bevor es auf die nächste Offroad-Strecke ging). Dann haben wir noch eine kleine offroadtaugliche Bierbar angebracht und nach Tagen endlich den Nagel aus Brunos Reifen gezogen. Und pffft…nee, doch nicht! Das Ding steckte gut 2 cm tief, aber hats nicht durch geschafft. Der Reifen ist nach wie vor dicht. Mega! Hoch leben die Michelin XZL Militärreifen!

Irgendwann zogs uns dann nach einer Woche doch weiter. Also gings nochmal kurz nach Moab Wasser auffüllen, Grauwasser entsorgen, Tanken und ab in den Canyonlands Nationalpark.

Da trafen wir zufällig wieder auf Katja und David. Wir verabredeten uns für einen Wildcampingspot am Abend. Hanno und ich schafften es dann gerade noch den Grand Viewpoint Trail zu wandern bevor die Sonne unterging. Ziemlich spektakuläre Aussicht über eine riesige Ebene und der Weg geht quasi komplett an einer steilen Klippe entlang. Irgendwie hatten wir nicht viel erwartet nach dem Arches Nationalpark. Roten Stein halt, aber es war wieder komplett anders als der Arches wo die kleinen, feinen Felsen, die Brücken, Fenster und filigrane Steinformationen beeindruckten. Im Canyonlands dagegen beeindruckte die Weite und das Panorama, die tiefen Schluchten und Abhänge. 

In der Dämmerung und später Dunkelheit ging es dann zum Schlafplatz zu Katja und David. Die Strecke war mühsam durch losen Sand, große Spurrillen und unbefestigte Pfade. Unsere neuen Scheinwerfer leisteten sehr gute Arbeit. Wir konnten in der Dunkelheit nur ahnen, welche Aussicht uns am nächsten Tag vom Schlafplatz aus erwartete. Den Abend verbrachten wir mit Bier und Musik am Lagerfeuer. Es war so unglaublich dunkel dort. Die Milchstraße war so deutlich sichtbar und wir sahen 2 Sternschnuppen vom Himmel rauschen. Perfekter Abend!

Am nächsten Morgen blickten wir dann aus den Fenstern auf ein Panorama das an das des Grand Viewpoints rankam. Wir standen 20 Meter von einer Klippe entfernt und blickten auf den unergründeten Teil des Canyonlands Nationalparks. Genial! 

Hanno und ich fuhren dann nochmal rein in den Canyonlands bis zum Crater, der uns aber nach dem Ausblick am Morgen wenig beeindruckte. Zurück am Visitor Center wurde es dann spannend. Mit Katja und David wollten wir den Shafer Trail fahren. Der ist nur mit Allrad und für Autos mit großer Bodenfreiheit befahrbar. Mit Untersetzung und im ersten und zweiten Gang ging es dann erstmal mehrere hundert Meter in die Tiefe. Der Serpentinen-Trail immer am Abgrund entlang war echt krass. Da stieg der Adrenalinspiegel. Unten in der Ebene angekommen war dann die größte Herausforderung die Gravelroad mit fiesen spitzen Felsen und gemeinen tiefen Löchern. Unglaubliche Landschaft, unglaubliche Weite, unglaubliche Tiefe und wir waren mal wieder fast komplett alleine. David hatte seine Drohne dabei und so gibt es nun auch mal ein kleines Video aus der Luft von uns. Ziemlich cool, finde ich!

Die Strecke über den Shafer-Trail dauerte wie immer länger als geplant und wir kamen erst in der Dunkelheit wieder am altbekannten Widcampingspot in der Nähe von Moab an. Was ein Tag! Das Lagerfeuer fiel kleiner aus und noch vor 22 Uhr lagen wir alle im Bett. Ganz schön anstrengend so eine Route im Nirgendwo, aber auch eins der tollsten Erlebnisse auf unserer Reise.

Hätten wir vorher nicht gedacht, dass die USA so ein Offroad-Paradies ist. Es wirkt hier in Utah fast noch einsamer als im Yukon. Ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten, zumindest für Outdoor-Fans. 

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