Tag 287-297 | Rancho Pacifico Baja, El Pescadero, Wasserfall, Baja California Sur, Mexico

Tag 287-297 | Rancho Pacifico Baja, El Pescadero, Wasserfall, Baja California Sur, Mexico

Wir waren froh, als wir herzlich auf der Rancho empfangen wurden. Dane und Sabrina sind Kanadier, die sich hier vor ein paar Jahren ein Stück Land gekauft hatten. Dane führte uns schnell über unseren Campground mit Komposttoilette und jede Menge Wildnis.
Gemütlich und sicher – dafür waren wir bereit dann auch nach langer Zeit nochmal fürs Übernachten ein paar Pesos zu zahlen. Vom rumgeschickt werden hatten wir erst mal die Nase voll.
Sabrina und Dane wohnten auf dem Hügel, auch immer noch im Wohnwagen. Mit dabei sind 6 Hunde und im Laufe der Jahre haben sie schon ein paar echt schöne Dinge da oben gebaut. Einen Steinofen für Sauerteigbrot, dass Sabrina im Dorf verkauft, eine coole Outoordusche und eine kleine Palapa mit Küche sowie eine weitere Komposttoilette. Es liegt noch einiges an Arbeit vor ihnen, aber ihren Traum vom eigenen kleinen Eco-Resort sehen wir schon deutlich vor Augen.
Sie bauen da oben auch so einiges an Gemüse und Grünzeug an. Selbstverständlich sind auch ein paar Hanfpflanzen dabei. Jeder wie er mag, aber „Mota“ ist auch in Mexico ganz groß. Nur mit den Kartellen irgendwie auch eine ganz andere Hausnummer.

Wir verbrachten dann insgesamt 8 richtig coole Tage auf der Ranch. Unter der Markise richteten wir uns einen Workspace ein und paukten richtig viel Spanisch. Außerdem wurden endlich lang vor uns hergeschobene Aufgaben angegangen. Tausende Fotos sortiert, PCs aufgeräumt und ausgemistet, Gitarre gespielt, Roststellen an Bruno behandelt und an der App gearbeitet. Zwischendurch wurden Kuchen und Brot gebacken, Mundschutzmasken genäht und Abends saßen wir lange am Lagerfeuer.

Lee und Willow haben einen Beamer und eine Leinwand mit in ihrem T2. So verwandelte sich unser Camp 2 Nächte zu dem ultimativen Outdoorkino. Wir hatten uns mit den Zweien darauf geeinigt Weltuntergangsfilme zu gucken. „I am Legend“ und „Contagion“ passen zur Endzeitstimmung ziemlich perfekt.
Aber da wir total verliebt in das Szenario rund um unser süßes Kino mit Lagerfeuer waren kramten wir auch noch den Hobbit raus und freuten uns unseres Lebens. Hach, wie schön!

Nach 8 Tagen hatten wir die Osterfeiertage einigermaßen überbrückt und irgendwie auch Hummeln im Hintern. Also zogen wir weiter.
In El Pescadero bekamen wir dann den neuesten Stand zur Corona-Lage. Straßensperrungen an allen Hauptstraßen in Form von aufgeschütteten Erdhügeln. Sogenannte „Filter“ die an den Zugangsstraßen die Autos kontrollieren. Die Leute fragen wo es denn hingehen soll und bitten um das Tragen von Masken. Unregelmäßig und willkürlich wird auch Fieber per Laserthermometer gemessen und es wird einem Desinfektionspampe durchs Autofenster in die Hände gespritzt. Wir ließen alles mit einem Lächeln über uns ergehen und hatten keinerlei Probleme.

Wir waren überrascht, dass wir in den Supermärkten, in den Tankstellen und den Wasserstationen noch alles bekamen was wir brauchten. Plan war für zwei bis drei Wochen einzukaufen um die Beschränkungen bis Ende April rumzukriegen.
Im Agricol-Supermarkt rasteten wir ziemlich aus und es gab richtig geniales Obst und Gemüse. Grüner Spargel, Zuckerschoten, Guanabana, Feigen, Kürbiskerne, Granola, Sesam, …

Als wir dann nach gefühlten Stunden alles hatten ging es auf den Weg Richtung Süden auf der Suche nach dem Wasserfall. Mit ein bisschen hin und her fanden wir dann die Schotterpiste die vom Highway wegführte.

Im ersten Sandbett fuhr sich der kleine T2 direkt fest, mit vereinten Kräften kriegten wir ihn aber wieder rausgeschoben und wir staunten nicht schlecht, als Lee danach die 2 km im Flussbett bis zum Wasserfall ohne stecken zu bleiben durch den tiefen Sand bretterte. Nur das letzte Stück brauchte er nochmal Hilfe und mit Bruno zogen wir den Bulli auf den gewünschten Schlafplatz.


Schnell war klar, der Wasserfall war ideal. Mit unseren Filtern konnten wir das Wasser aufbereiten, es gab keine Fliegen (woooow, ihr könnt euch nicht vorstellen, wie wir auf der Rancho von Fliegen tyrannisiert wurden), das Tal war wunderschön und es gab Platz ohne Ende.
Lee und Hanno bauten uns dann ein Plumpsklo etwas abseits, während wir Mädels die „Wohnzimmer“ einrichteten.
Kurz darauf wurden wir von einer Horde Schweine überfallen, die zum Wasserfall trinken kamen. Alles was nicht niet- und nagelfest war riss die Horde um. Witzig.

Hanno und ich kletterten dann noch den Wasserfall hoch und wanderten das Flusstal entlang. Wir gelangten zu einem zweiten und einem dritten Wasserfall, bevor es nicht mehr weiter ging. Überall waren Tierspuren, es wuchsen Palmen, Kakteen und Bäume, das Wasser plätscherte die Papageien saßen in den Bäumen und zeterten. Das grün war fast etwas zu intensiv für unsere an den hellen Sand gewöhnte Augen. Wunderwunderwunderschönes Paradies, das wir da gefunden haben.

Abends machten wir Lagerfeuer. Lee hatte Geburtstag und es gab Piña Colada und wir spielten Scharade, was mit unserer Mischung aus Deutsch und Englisch zu ziemlich witzigem Chaos führte.
In der Dämmerung kamen dann auch noch Kühe und Esel zum Wasserfall. Die waren von unseren Autos und vielleicht auch von uns etwas abgeschreckt.

Wir konnten uns gut vorstellen hier die Zeit auszusitzen und hofften das Beste. Morgens duschten wir unterm Wasserfall und wuschen ein paar Klamotten per Hand. Das Leben war gut dort.
Aber natürlich kam es mal wieder anders. Nachmittags kam der Schwiegersohn des Grundstückbesitzers vorbei und ließ uns wissen, dass wir am nächsten Tag bitte weiterfahren sollten. Schade! Das ist leider nicht lange gut gegangen. Es war aber auch einfach zu perfekt um wahr zu sein.

Wir lasen den Rest des Abends Nachrichten und uns wurde immer bewusster, dass es noch schwieriger werden würde. In Mexico wurden die Beschränkungen verlängert bis Ende Mai. Puh. Dazu kam, dass sich immer mehr Dörfer abriegeln und man nicht mehr rein kommt, auch nicht zum Einkaufen oder Wasser füllen. Unsere Möglichkeiten und Ideen waren nun wirklich ausgeschöpft und es musste ein kleines Wunder her, damit wir nicht wieder zur Rancho zurück mussten. Da war es toll, auf Dauer stimmte aber Preis-Leistung nicht und wir hatten dort keinen Zugang zu Wasser. Das Frischwasser ist immer unser Limit beim Freistehen.
Wir gingen spät und etwas betrübt ins Bett.
Am nächsten Tag beim Frühstück reichte dann zum Glück ein schneller Blick in die Gruppe unserer „Solaranlagen-Freunde“ bei Facebook und eine Lösung war zum Greifen nah.
Nach einer letzten Wasserfalldusche wurde also alles wieder zusammengepackt, der Bulli zurück zum Highway geschleppt (was meine Männer so alles können!) und wir machten uns ein weiteres Mal auf den Weg Richtung Todos Santos.

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