Tag 462-471 | Tecolote, Balandra Beach, Todos Santos, La Pastora, Cerritos, Baja California Sur, Mexico

Tag 462-471 | Tecolote, Balandra Beach, Todos Santos, La Pastora, Cerritos, Baja California Sur, Mexico

Vom vollen, lauten La Paz aus ging es im Eiltempo Richtung Südosten. Wir hatten grandioses gehört und wollten selbst sehen. Die Straße am Meer entlang ließ uns schon staunen und gleichzeitig wunderten wir uns etwas, dass sie den Hafen und ein großes Ölkraftwerk an dieses wundervolle Fleckchen Erde gesetzt hatten. Etwas weiter die Straße runter empfing uns eine Straßensperre zum weltbekannten Balandra Beach. Wir spielten mit den Gedanken den Strand zu sehen, das Anstehen morgens um 6 um einen von 120 Plätzen am Strand zu bekommen schreckte uns allerdings ab.

Stattdessen ging es weiter nach Tecolote. Seit langem sahen wir das erste Mal einen Strand ohne nennenswerte Wellen. Der Sand war weiß und fein und das Meer ruhig und kristallklar. Hier gefiel es uns. Zusammen mit Chico erkundigten wir den Strand und das Umfeld und entschieden uns dann für einen Schlafplatz zwischen ein paar Büschen.

Gegen 17 Uhr knallte die Sonne dann nicht mehr so erbarmungslos wie Mittags und Hanno und ich machten uns auf zu einem kleinen Spaziergang. Wir liefen 5 km und schwitzten uns ganz schön einen ab. Aber der Ausblick lohnte sich und wir dachten, dass wir ganz schön nah am Balandra Beach sind und vermutlich hinlaufen könnten, wenn wir früh morgens losgehen. Das wollten wir am nächsten Morgen probieren.

Sandfliegen, die einen bei lebendigem Leib fressen, versauten uns leider das Draußensitzen am Abend. Definitiv Ausgeburten der Hölle, dagegen sind Mosquitos ja echt liebenswert. Die Bisse jucken auch nach zwei Tagen noch so sehr, dass man sich am liebsten die Haut von den Füßen ziehen würde… Also verzogen wir uns nach drinnen und machten die Schotten dicht. Tagsüber war gut was los am Strand, aber nach Dunkelheit waren wir alleine. Eigentlich sind die Strände nämlich weiterhin ab 20 Uhr geschlossen. Wir verhielten uns unauffällig und sparten mit Licht und Musik.

Am nächsten morgen verschliefen wir und unsere große Exkursion zum Balandra Beach fiel ins Wasser. Tagsüber kann man die 10 km über Sand und kleine Berge hoch und wieder runter definitiv nicht machen. Es ist super heiß und die Sonne brennt. Also gabs Kontrastprogramm. Wir installierten den neuen Wechselrichter, installierten Lüfter und Lüftungsrohre um die Hitze vom Kühlschrank abzuleiten und beendeten das Kühlschrankprojekt hoffentlich ein für alle Male.

Abends gingen wir ein weiteres Mal den Trail bis zum Balandra Beach ab. Dieses Mal mit Drohne im Gepäck. Leider wars ein bisschen windig und eigentlich auch schon ein bisschen dunkel und wir hatten auf unseren knapp 8 km bei beiden Drohnenflügen kurze Beklemmung. Beim ersten Flug hatten wir direkt eine „wind warning“ und die Drohne kämpfte sich durch Böen nur langsam zurück zu uns, beim zweiten Flug verlor sie hinter einem Hügel das Signal und es war schon so dunkel, dass wir sie nicht sehen konnten. Am Ende ging alles gut, aber das war doch irgendwie stressig. Vermutlich müssen wir uns noch daran gewöhnen, dass da mehrere hundert Euro durch die Gegend fliegen. Dafür sind die zwischendurch entstandenen Bilder ziemlich schön geworden, finde ich.

Auf dem Weg zurück entschieden wir, dass die 10 km Wanderung zum Balandra Beach eine ziemliche Schnapsidee ist. Selbst wenn wir morgens um 6 Uhr loslaufen, müssten wir später bei knallender Hitze wieder zurück und dazu noch vollgepackt mit Essen, Trinken, Schnorchelequipment, Handtüchern und und und. Stattdessen könnten wir genauso gut morgens um 6 Uhr das Stück auf der Straße zurück fahren und uns mit in die Schlange am Eingang einreihen.

Zurück am Camper ging Chico dann in der Dunkelheit spazieren. Tagsüber bewegt er sich bei der Hitze keinen Meter und rotiert nur von einer Kühlmatte zur nächsten.

Wir machten uns gerade bettbereit und Hanno stand in Boxershorts vor dem Camper als Blaulicht auftauchte. Polizei. Die sagten uns, was wir schon wussten: Der Stand schließt um 20 Uhr. Wir nickten und fragten, wo wir denn hinsollen. Nach La Paz war die Antwort. Ziemlich weit und ziemlich dunkel bis dahin. Wir erklärten, dass wir am nächsten Morgen zum Balandra Beach wollen und nur die eine Nacht bleiben wollen. Vermutlich hatten die beiden Herren dann Mitleid mit dem Europäischen Pärchen in Boxershorts und Schlafanzug, das auch noch ne Katze als Haustier hat. Sie erlaubten uns zu bleiben, nahmen die zwei angebotenen kalte Flaschen Bier von uns und zogen ab. Chico verbrachte den Rest des Abends dicht an unserer Seite. Der kleine Kerl hat zwar keine Angst vor Hunden, dafür aber vor der mexikanischen Polizei. Ob er da wohl schlechte Erfahrungen in seinem früheren Leben gemacht hat? Er war auf jeden Fall merklich eingeschüchtert und ungewöhnlich leise.

Am nächsten Morgen gings dann früh aus den Federn und wieder sahen wir Blaulicht. Als wir den Motor starteten fuhr die Polizei allerdings davon. Vermutlich waren es die Herren vom vorherigen Abend die kontrollierten, ob wir die Wahrheit gesagt hatten. Um 6:15 Uhr standen wir im Stockdunklen als Auto Nummer 5 in der Schlange vor dem Eingang zum Balandra Beach.

Ich verschwand nach hinten und bereitete Eiscafe zu. Hanno hatte überraschend Handysignal und uns erreichte die nächste Hiobsbotschaft. Der Motor der kleinen Ruby war kaputt, eine Reparatur nicht möglich. Willow und Lee hatten im Gegensatz zu uns also richtige Scheißtage. Wir versprachen nur bis Mittags zu bleiben und dann im Eiltempo zurück nach Todos Santos zu kommen um ihnen Beistand und Hilfe zu leisten. Oh man, Fähre am nächsten Tag aufs Festland? Definitiv nicht. Die Stimmung war kurz schlecht, aber gegen 7 Uhr durften wir ein Stück vorfahren und befanden uns dann offiziell in der Zufahrt zum Strand. Es waren alle 120 Plätze für den Tag vergeben.
Kurz nach 8 Uhr durften wir dann endlich zum Strand und es hatte sich gelohnt! Mit knapp 25 weiteren Autos stand Bruno in erster Reihe auf dem halb gefüllten Parkplatz. Definitiv das erste positive Erlebnis, das Corona so mit sich bringt. Normalerweise ist der Balandra Beach überlaufen und voll von Menschen. Die schönen Bilder die man vom Strand sieht sind normalerweise meilenweit von der Realität entfernt.

Wir kamen an diesem Tag in den Genuss eines fast leeren Strands. Wir liefen durchs warme, seichte Wasser, schnorchelten an den Felsen und schauten uns den berühmten Hongo (Pilz) an. Jedes Auto hatte sogar eine eigene Palapa bekommen und wir genossen ein gemütliches Frühstück im Schatten mit Blick auf die Bucht.


Als wir uns gegen 13 Uhr auf den Rückweg zu Willow und Lee machten, waren wir eins von 5 verbliebenden Autos auf dem Parkplatz. Der Tag am Balandra Strand gehört definitiv zu unseren Highlights in Mexico!

Also gings ein weiteres Mal zurück nach Todos Santos. Nicht zu fassen! Willow und Lee standen auf brachliegendem Land von Alejandro, dem Ranchsitter. Sie hatten sich dort hinschleppen lassen und steckten nun dort fest. Die Stimmung war logischerweise total schlecht und wir fühlten uns zurückerinnert an unsere Odysee in Ottawa mit dem Allradgetriebe.

Plan A war einen Motor auf einem Schrottplatz in La Paz zu finden. Haken daran ist, dass die Mexikaner keinen TÜV oder Ähnliches haben. Hier fahren Autos in Zuständen, die wir uns als Deutsche in unseren kühnsten Träumen nicht ausmalen können. Zustand des Motors also mehr als fraglich. Plan B war, einen aus den USA zu importieren. Das ganze gestaltete sich allerdings genau wie bei unserem Kühlschrank, dank mangelnder Kommunikation der Verkäufer, als langwierig und schwierig. Mal hatten die Verkäufer keine Ahnung, mal bekam man keine Antwort, mal konnte man den Verkäufer nach einem ersten erfolgsversprechenden Telefonat nicht mehr erreichen. Zäh und frustrierend.

Hanno und ich hatten derweilen entscheiden, dass wir die zwei weiter begleiten, so wie sie es bei unserem Mist auch gemacht hatten. Wir würden nicht vorzeitig die Fähre nehmen und weiter zusammen bleiben. Auf die 2-3 Wochen kommts jetzt auch nicht mehr an. Haha! Die nächste Woche fieberten wir mit, fuhren für die Zwei einkaufen und unterstützen wo wir konnten. Nach drei Tagen bei Alejandro auf dem Grundstück wurde es aber Zeit für einen Tapetenwechsel und wir schleppten den kleinen VW mit Bruno zum La Pastora Strand. Dort war besseres Internet und wir konnten weiter recherchieren. Am Ende von Tag 6 war endlich ein Motor in Aussicht. Allerdings aus Montreal, Kanada. Der Versand würde abenteuerlich werden, aber es war exakt das Motormodell, was gerade verbaut war und Willow müsste nur den Motorblock tauschen und könnte die komplette Ansaugung und Elektronik vom alten drinlassen. Zur Feier des Tages ging es in die nahe Strandbar die mit unglaublich gutem Essen überraschte. Zu meiner Enttäuschung war allerdings das Desert ausverkauft und ich musste ohne Eis ins Bett. Wie schade!

Als dann mit dem Motor am nächsten Tag soweit alles geklärt, geregelt und das Teil endlich bestellt war baten Willow und Lee darum nach Cerritos geschleppt zu werden. Gute 30 km über Strand, Gravel, quer durch Todos Santos und über die Schnellstraße. Was ein Abenteuer. Hanno machte das ganze fantastisch, aber sowohl wir als auch Willow und Lee waren nach Ankunft schweiß gebadet. 3 Meter Abschleppseil sind echt nicht viel. Auf dem Weg stoppten wir noch kurz beim Supermarkt und die zwei kauften ein, soviel sie tragen konnten. Der Motor würde 10-14 Tage brauchen um anzukommen und die zwei wollten die Zeit mit Surfen in Cerritos totschlagen. Hanno und ich planten kleinere Touren in der Umgebung und wollen pünktlich zur Motorankunft wieder da sein. Bruno würde die ehrenvolle Aufgabe haben das Teil von Cabo bis nach El Pescadero zur Werkstatt zu chauffieren.
Bei unseren Minireiseplänen merkten wir allerdings auch schnell, dass wir mittlerweile das komplette Umland auswendig kennen und es kaum noch neue Orte zum erkunden gab. Wir liebäugelten mit einer Passstraße in den Bergen, die allerdings nach neusten Berichten zufolge vom Hurricane komplett zerstört wurde. Nach der Serie an Breakdowns hatten wir irgendwie etwas Schiss, dass wir wieder dran sind und wir Bruno auf der Strecke kaputt machen…

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