Tag 443-462 | Cabo Pulmo, La Ribera, Cerritos, Nine Palms, Punta la Tinaja, El Pescadero, Baja California Sur, Mexico

Tag 443-462 | Cabo Pulmo, La Ribera, Cerritos, Nine Palms, Punta la Tinaja, El Pescadero, Baja California Sur, Mexico

Das erste „Pling“ des Handys kündigte den Internetempfang an. Kurz darauf folgte eine große Abfolge von Schimpfwörtern seitens Hanno, der auf dem Beifahrersitz saß.
Es dauerte ein bisschen bis er einen Überblick hatte und ich über alles was schieflief informiert wurde. Mittlerweile war ich rechts rangefahren und hatte den Motor ausgeschaltet. 1 Woche ohne Internet war wohl keine so gute Idee.

  • der Zoll in Tijuana hatte unser Paket aus Deutschland abgewiesen und dieses sollte in den nächsten 12 Stunden vernichtet werden, falls wir uns nicht melden
  • das Ersatzteil des Lüfters war irgendwo innerhalb der USA verschickt worden und logischerweise mit der Adresse in Mexico nicht zustellbar gewesen

Die nächste Stunde verbrachten wir am Straßenrand und versuchten UPS auf allen möglichen Kanälen zu erreichen. Erfolglos.
Dann schieben wir noch Mails an den Kundendienst der Lüfterfirma, die wohlwissend keine Telefonnummer rausgibt. Der Kundenservice ist unterirdisch.
Tüpfelchen auf dem i war dann, dass Hannos Laptoptastatur von Buchstabe „T“ bis „O“ nicht mehr funktionierte und ihn zur Weißglut trieb und ein Stottern des Kühlschranks erahnen ließ, dass da auch irgendwas nicht stimmt.

Half alles nix, wir fuhren erst mal weiter. In Cabo Pulmo fanden wir einen schönen Stellplatz und nach dem ziemlich vermasselten Vormittag packte Hanno dann endlich seine Drohne aus. Gut eine Stunde vergaßen wir das Drumherum und probierten die verschiedensten Funktionen und Flugmanöver. Wir staunten nicht schlecht, was wir da von oben sahen. Wunderschönes Fleckchen Erde!

Beim Griff in den Kühlschrank holte uns der Vormittag dann leider wieder ein. Er war nicht mehr kalt und das Eisfach abgetaut. Willow und Lee nahmen zum Glück erst mal unseren Käse, die Milch und ein paar Kleinigkeiten in ihrem Kühlschrank auf. Hanno und ich bauten den defekten Kühlschrank aus.
Die nächsten zwei Tage verbrachten wir dann bei wundervoller Kulisse mit Schadensbegrenzung. Von 2-4 Uhr Nachts hingen wir in der deutschen Warteschleife von UPS, ohne Erfolg. Über drei Ecken bekamen wir dann die mexikanische Nummer eines Zollbeamten. Nach einem Telefonat und ein paar Nachrichten per Whatsapp hatten wir ein Ergebnis: Das Paket wurde wegen Motoröl und zwei Packungen Tampons (die mexikanischen sind nicht der Bringer und ich hatte mir was Luxus gönnen wollen) abgewiesen. Unglaublich! Wir waren sprachlos, konnten aber nix dran ändern. Also veranlassten wir, dass das Paket auf unsere Kosten zurück nach Deutschland geht. Im Paket waren Ersatzteile die wir über das letzte Jahr mühsam recherchiert und bestellt hatten. Vieles für Bruno ist nicht oder nur noch zeitweise erhältlich und muss mit monatelanger Lieferzeit bestellt werden. Das die Dinge vernichtet werden, wollten wir auf gar keinen Fall. Stand heute ist, dass das Paket nicht vernichtet wurde, leider aber auch nicht mehr auffindbar ist.

Der Kundenservice vom Lüfter meldete sich endlich auch bei uns und über unzählige Mails bekam der gute Herr es endlich hin, das Paket nach Mexico zu schicken. Da er mit UPS verschicken wollte, gaben wir die UPS Station in La Paz an um wenig später in der Sendungsverfolgung zu sehen, dass er das Paket mit FedEx verschickt hatte. Das konnte ja heiter werden beim Paketeinsammeln.

Mittlerweile waren wir dann auch ziemlich sicher, dass der Motor unseres Kühlschranks defekt war und wir standen vor einer durchaus größeren Herausforderung: Finde einen 24V oder 230V Kühlschrank in Mexiko, wo die Netzspannung bei 110V liegt und PKWs und selbst LKWs nur auf 12V laufen. Mach dich darauf gefasst, dass in Mexiko die Uhren langsamer ticken, der Kundenservice schlechter ist und alles was in irgendeiner Weise nicht dem Standard entspricht das doppelte kostet. Es gab mehrere Möglichkeiten für eine Lösung, die wir schnell aufgestellt hatten:

  1. unseren alten Kühlschrank reparieren und mit einem 230V ode 24V Kompressor ausstatten. Die Lieferzeit für den Kompressor liegt bei 2 Wochen und die Kosten bei über 500 €. Wir fanden eine sehr nette Werkstatt und hatten dann wohl auch bei den Herren dort die einzige positive Erfahrung zum Kundenservice. Lieferzeit und Kosten schreckten uns allerdings ab.
  2. einen gebrauchten Marine / Wohnmobil 24V Kühlschank finden. Das scheiterte leider am Angebot. Zwei Anbieter fanden wir. Der eine bot uns den Kühlschrank ohne Tür (ernsthaft!!!) an, der andere wollte 100 € für einen 13 Jahre alten Kühlschrank mit kaputtem Eisfach. Auf das zweite Angebot hätten wir am Ende echt gerne zurückgegriffen, aber leider meldete sich der Verkäufer nie wieder bei uns. Auch die Kommunikation mit dem türlosen Kühlschrankverkäufer war mehr als anstrengend. Man stellt drei Fragen und bekommt eine beantwortet.
    Am Ende landeten wir dann sogar auf einem Jacht-Schrottplatz in Cabo und hatten große Hoffnung, fanden aber leider nur Kühlschränke, die mit Gas laufen.
  3. einen neuen Marine / Wohnmobil 24V Kühlschrank kaufen. Lieferzeit 6 Wochen, Kostenpunkt 2000 €. Pfffffff! Wir fanden drei Anbieter, die aber alle das gleiche Angebot machten. Nicht im Budget, nicht im Zeitplan.
  4. einen normalen 110V Haushaltskühlschrank kaufen und einen neuen Wechselrichter mit 110V kaufen. Nicht günstiger als unseren alten reparieren zu lassen, aber immerhin hätten wir dann für alle Geräte aus Nordamerika die wir evtl. mal benutzen einen Wechselrichter und wir konnten einen größeren Kühlschrank kaufen, da uns unser originaler Kühlschrank eigentlich von Anfang an zu klein war.

Nachdem wir dann einigermaßen eine Idee für unsere Kühlschranklösungen hatten genossen wir den Nationalpark. Wir feilschten sogar um eine Schnorcheltour und waren einen Nachmittag zu 4 mit einem Boot unterwegs, welches uns zu verschiedenen Schnorchelplätzen brachte. Am besten gefiel mir der Platz mit 1000en von Big Eye Jacks. Das war sehr beeindruckend.

Dann gings weiter die Küste hoch nach La Ribera. Ein kleiner beschaulicher Ort mit einer unglaublich guten Pizzeria. Wir hatten ein echtes Festmahl am Strand. Am zweiten Tag dort, ein Sonntag, regnete es leider in Strömen und Abends kam die Polizei und verbot uns das Campen dort. Also ging es ein Stück die Küste hoch zum nächsten Strand. Willow und Lee hatten Montag morgens vor zu einem Schweißer im Ort zu fahren, da die Aufhängung ihres Motors durchgerostet war und der Motor drohte rauszufallen. Wir wollten in der Zeit zurück nach Cabo die Haushaltskühlschrankangebote checken und die Anbieter der 24V Kühlschränke nochmal kontaktieren. Übers Wochenende waren die logischerweise auch alle nicht erreichbar.

Abends trafen wir uns dann alle wieder in Todos Santos auf ein Bier und auch Clem und Emelie mit dem kleinen Lu waren dabei. Danach fuhren wir gemeinsam an einen Strand und wir wurden Zeuge des Kinderbonus. Die Polizei tauchte gegen 23 Uhr auf und wollte 800 Pesos Schmiergeld für das Campen am Strand. Wir wollten das nicht zahlen. Korrupte Polizei wollen wir nicht unterstützen. Wir diskutierten eine Weile in der Gruppe und waren uns uneinig, ob und wie viel wir zahlen wollen. Kaum hatte Emelie die Worte „mi niño…“ ausgesprochen und auf den Camper gedeutet, drehten die Herrschaften um, stiegen ins Auto und verschwanden kommentarlos. Familie ist in Mexiko heilig und vor wütenden Müttern die schlafende Kinder beschützen hat die Polizei gehörig Respekt. Ob Chico wohl als Kind durchgeht, wenn wir im Shorts und T-shirt anziehen? Das wäre ganz schön praktisch.
Die nächsten Tage verbrachten wir ohne den Rest unserer Reisetruppe in und um Cerritos in der Hoffnung, dass sich noch ein gutes Angebot für einen Kühlschrank ergibt. Leider Fehlanzeige. So entschieden wir uns für den neuen Wechselrichter und den neuen Haushaltskühlschrank.

Samstags kauften wir in Cabo dann ein Modell mit separatem Eisfach und guten Energiewerten. Das war sehr wichtig, denn unsere Batteriekapazität ist nicht unendlich und wir konnten maximal 40% Batterienutzung über Nacht für den Kühlschrank einplanen. Wir fuhren zurück nach Nine Palms surfen und trafen dort nicht nur auf Willow und Lee sondern auch wieder auf Jaro aus der Schweiz und Clem und Emelie mit Lu. Willow und Lee liehen uns ihren 230 auf 110V Transformer und wir konnten den Kühlschrank ausprobieren. Nach 2 Tagen Ernüchterung. Das Eisfach kühlte auf -25Grad runter, der Kühlschrank allerdings nur auf +15Grad und unsere Batterie war morgens platt. Nicht akzeptabel. Also gings Montags zurück nach Cabo den Kühlschrak zurück bringen. Wir machten uns auf viel Ärger bei der Rückgabe gefasst und waren überrascht, dass es dann doch so einfach ging.
Den alternativen Kühlschrank, der energieeffizienter und von den Maßen passend war, fanden wir dann im Laden leider nicht. Also klapperten wir wieder einmal alle Läden in der Stadt ab. Es war nix dabei was unseren Kriterien voll entsprach, also kauften wir einen Kühlschrank der baugleich zu unserem alten kaputten Kühlschrank war. Quasi als Übergangslösung. Wir hatten die Hoffnung, dass sich in den nächsten Tagen der Verkäufer des 13 Jahre alten Kühlschranks meldet oder sich eine andere Lösung auftut. Es ging zurück nach Nine Palms. Wir kamen nach der Dämmerung an und wurden von Willow und Lee mit Abendessen und Wein empfangen. Genau das, was wir brauchten.

In Nine Palms tauchte dann auch Mike aus England wieder auf und gab uns den Tipp mit dem Jacht-Schrottplatz. Wir waren guter Dinge, dass wir dort was passendes und preislich Akzeptables finden. Also gings einige Tage später ein weiteres Mal nach Cabo. Die Leute vom Schrottplatz waren super nett und wir staunten nicht schlecht bei dem Berg an Kühlschränken. Leider hatten sie nur zwei funktionierende Kühlschränke dort. Beide mit Gas betrieben und somit für uns ungeeignet.
Von unseren Kühlschrankverkäufern gab es auch nix Neues, also ging es ein weiteres Mal zu Walmart, wo wir den kleinen Kühlschrank gegen das Modell, welches wir die Woche davor vergebens gesucht hatten, tauschten. Nach dem Motto „aller Guter Dinge sind drei“ hofften wir nun den richtigen gewählt zu haben. Auch den Wechselrichter hatten wir bestellt und er sollte in 2 Tagen in La Paz ankommen. Zeitgleich mit unserem Ersatzteil für den Lüfter. Für Hannos Laptop fanden wir eine kleine Bluetooth-Tastatur und auch das Problem war fürs erste behoben. Geht doch!

Alles klang also nach Aufbruch und mit 3 Monaten Verspätung wollten wir endlich aufs Festland übersetzen. Wir hatten unsere Abreise unzählige Male verschoben. Wegen Corona, der Visaverlängerung, der Arbeit auf der Ranch, den nicht ankommenden Paketen bei der Post, dem Hurricane, dem Paket aus Deutschland und zuletzt wegen unsere Serie von Pleiten, Pech und Pannen. Jetzt hatten wir alles geregelt und nun stand aber wirklich nichts mehr im Weg. Also luden wir zum Abschied ein. Wir trafen uns zum Taco-essen und später in einer Bar mit Alejandro von der Ranch plus Freundin, Tobias unserem Surflehrer aus Todos Santos, Emelie, Clem und Lu, die später aufs Mainland nachkommen wollen, Jaro, der die Baja wieder hochfährt und natürlich mit Willow und Lee die mit uns aufs Mainland übersetzen. Ein richtig guter Abend, wir genossen jede Sekunde mit unseren neuen Freunden.

Am nächsten Morgen fuhren wir dann noch kurz mit Willow und Lee nach Cerritos, weil sie ein neues Surfboard kaufen wollten. Da uns allerdings die Zeit davon lief und wir die Pakete in La Paz zusammensuchen wollten, machten wir uns vor den beiden auf den Weg. Wir sagten Tschüss zu Todos Santos und kamen Nachmittags in La Paz an. Auf dem Weg erreichte uns die Nachricht, dass der kleine VW in einer Pfütze stecken geblieben ist und irgendwas am Zündkabel kaputt gegangen war. Die zwei würden es an diesem Tag nicht mehr nach La Paz schaffen. Wir machten einen Strand aus, wo wir uns für den nächsten Tag verabredeten um dann den Tag darauf die Fähre zu nehmen.

In La Paz bei uns lief alles überraschend gut und wir bekamen sowohl den Wechselrichter als auch das Ersatzteil vom Lüfter. Wir kauften noch einiges ein und machten uns auf Richtung Playa Tecolote, welche unweit vom Hafen lag. Die Stimmung war gut und wir freuten uns auf einen der schönsten Strände Mexicos: Playa Balandra. Die Welle der Defekte und Sachen die schief liefen, hatten die Stimmung in den letzten Wochen etwas gedrückt. Wir waren froh, dass wir endlich alles gelöst und sortiert hatten, auch wenn unser Paket aus Deutschland weiterhin verschollen ist.

Willow und Lee stolperten derweilen von einer Katastrophe in die Nächste. Der VW war zwar aus dem Schlamm geborgen, das Zündkabel Mc Gyver mäßig repariert, aber der Motor wollte trotzdem nicht mehr. Wir hatten in Tecolote keinen Handyempfang und hörten erst zwei Tage später, was so alles schief gelaufen war. Unsere Abreise aufs Festland? Wieder auf unbestimmte Zeit verschoben. Ein weiteres Mal kam es also anders als wir dachten. „You can never leave…“ wird langsam aber sicher gruselig real…

2 Gedanken zu „Tag 443-462 | Cabo Pulmo, La Ribera, Cerritos, Nine Palms, Punta la Tinaja, El Pescadero, Baja California Sur, Mexico

  1. Ich hätte da nochmal ein Zitat aus ‚Hotel California‘ für Euch:
    …And I was thinkin‘ to myself
    ‚This could be heaven or this could be hell‘..
    Mir scheint, Ihr lebt den Song wirklich 😉

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