Tag 553-563 | Sierra Alvarez, Tamasopo, San Luis Potosí / Nuevo Laredo, Tamaulipas / Monterrey, Nuevo Leon / Real de Catorce, San Luis Potosí, Mexico

Tag 553-563 | Sierra Alvarez, Tamasopo, San Luis Potosí / Nuevo Laredo, Tamaulipas / Monterrey, Nuevo Leon / Real de Catorce, San Luis Potosí, Mexico

Endlich raus aus San Miguel de Allende und rein ins Grün! Der Staat San Luis Potosí ist vermutlich kein Touristen-Hotspot aberdefinitiv einer meiner liebsten bisher. Kaum hatten wir die Staatsgrenze erreicht (inklusive falsch geschriebener „Gute Rise“ auf eine Brücke aufgemalt) wurde die Landschaft komplett anders. Berge, Hügel, dichter Wald. Unser erster Stop war dann mitten im Nirgendwo in der Sierra Alvarez. Es war kalt aber der Ausblick überragend. Dichter Wald, Berge und Nebelschwaden, dazwischen Kakteen und Agaven.

Wir schliefen gut und genossen die Ruhe, die wir in der Stadt vermissten. Am nächsten Morgen erkundeten wir die Umgebung und Hanno und Chico kletterten (der eine elegant, der andere eher stolpernd) den Berg hinter unserem Schlafplatz hoch.

Dann ging es weiter über die Stadt Rio Verde bis nach Tolantongo. In Rio Verde stoppten wir für Mittagessen und reihten uns mit in eine lange Schlange für „Elotes“ ein. Gegrillte Maiskolben die zerkleinert in eine Plastiktüte kommen und in dieser mit in Limette, einem großen Löffel Majo, scharfer Soße und viel Parmesankäse paniert werden. Serviert wird dann auch in der Plastiktüte in der man die kleine Schweinerei dann isst. Wir brauchen noch was Übung beim Essen, aber die Teile haben Suchtpotential. Das Bild der 4 Standbetreiber zeigt übrigens ganz gut die mexikanische Maskenkultur, alles geht, nichts muss 😉

Dann gings weiter zum Ziel für Silvester nach Tamasopo. Hier hieß es dann wieder einen geeigneten Platz finden. Der kostenlose Campspot war überlaufen mit Einheimischen, also klapperten wir die Campingplätze ab. Wir sichten nach unserem teuren Weihnachten was möglichst günstiges. Von 500 Pesos bis 70 Pesos/Person war alles dabei. Am Ende landeten wir dann beim Argentinier Nacho, der uns für 50 Pesos/Person Willkommen hieß und mit einer unglaublich tollen Lage am Fluss aufwarten konnte. Dort trafen wir dann auch noch ein Schweizer Pärchen mit riesigem LKW. Clem und Emelie kamen auch an und Silvester stand nix im Weg. Aber erst mal staunten wir uns ziemliche Löcher in den Bauch als wir die Farbe des Wassers sahen. Wir dachten es wäre eiskalt, aber nein. Heiße Quelle, warmes Wasser. Juhu!

Schwupdiwup hatten wir die Schwimmklamotten an und Hanno verbrachte den Rest des Tages und auch die folgenden mit Arschbomben. Ein Wort, was sich in unserer internationalen Reisegruppe nun integriert hat.

Den nächsten Tag verbrachten wir mit Gegend erkunden, einer kleinen Wanderung und wir ließen uns so weit es ging den Fluss runtertreiben. Das Wasser hatte eine perfekte Temperatur. Nachmittags kamen dann auch Willow und Lee mit Jaro an und wir planten unser Silvesterfest.

Dieses Mal wollten wir fürs Essen alle zusammen schmeißen und günstiger werden. Nach einem sehr entspannten Tag war dann wirklich Jahresende. 7 Stunden nach deutscher Zeit folgten wir ins neue Jahr. Wir hatten ein richtiges Festmahl zusammen gewürfelt und die gute Stimmung wurde nur von Regen getrübt (ernsthaft 2020??? Das musste doch nicht sein). Wir feierten weiter im Zelt von Clem und Emelie und pünktlich um 24 Uhr sprangen die Jungs nochmal mit Arschbombe ins Wasser. Hallo 2021! Auf das du besser wirst als 2020.

Der erste Tag im neuen Jahr startete dann mit Dauerregen. Schhhh… Wir verbrachten ihn im Camper und kümmerten uns um so ungemütliche Dinge wie Steuererklärung, Verlängerung der Auslands-Krankenversicherung, DHL Kostenrückerstattung und mit der Recherche über Mittel und Wege unserer Aufenthaltsverlängerung in Mexico. Gerade die Frage zu unserem legalen Aufenthalt im Land trübte unsere Stimmung. Auf der Ranch in Baja hatte ich noch laut getönt, dass nach einem Jahr Mexico definitiv Schluss ist, jetzt sehnte ich mich nach der Genehmigung für ein weiteres halbes Jahr.
Es gab vier Möglichkeiten:
1. Überziehen und im Zweifel bei Ausreise eine Strafe zahlen. Im Fall, dass man uns vor Ausreise erwischt hieße das aber eventuell Abschiebehaft (unwahrscheinlich aber nicht ausgeschlossen)
2. Rausfliegen aus dem Land und neu einreisen (zu Cousin Alex nach Los Angeles?)
3. Einen Agenten drauf ansetzen der sich ca 5000 Pesos / Person nimmt und nix garantieren kann
4. Jemanden finden, der gegen Bezahlung (Schmiergeld) eine neue Genehmigung ausstellt
5. an die nächste Grenze fahren und neu einreisen (Landgrenze USA ist dicht, Guatemala ginge mit PCR-Test)

Alles irgendwie keine berauschenden Lösungen und einige mit viel Aufwand und finanziellen Ausgaben verbunden. Aber mit dem Gefühl zu leben, illegal im Land zu sein wollten wir auch nicht. Dafür sind wir wohl zu Deutsch und regelkonform.

Am nächsten Morgen waren wir noch keinen Schritt weiter und telefonierten nochmal mit Matthias in San Miguel de Allende. Er sprach uns Mut zu und erklärte uns in einem langen Gespräch nochmal alles genau. Tja und dann hatten wir also einen Plan und hofften, dass er aufging. Wir packten und machten uns auf den Weg Richtung Norden. Am Internationalen Flughafen von San Luis Potosí versuchten wirs als mögliche Abkürzung bei den Mitarbeitern der Migrationsbehörde. Leider ohne Erfolg. Also bestanden die nächsten Tage aus 25 Stunden Autobahn, Billionen Joshua-Trees am Straßenrand, Schlafen an der Tankstelle oder an einem 24 Stunden Restaurants mit unseren Trucker-Amigos und ziemlich großer Anspannung. Am 03.01. abends konnten wir dann erleichtert und sehr glücklich mit neuen Aufenthaltsgenehmigungen für 180 weitere Tage von Nuevo Laredo aus den Weg zurück nach Süden antreten. Der Rest der Geschichte lässt sich wohl zusammen reimen und hat nix im Internet zu suchen 😉

Am nächsten Morgen waren wir in Monterrey und wollten dort gerne die berühmten Grutas sehen. Laut Internet war auf, tja aber in Realität nicht. Semaforo rojo (rote COVID-Ampel) machte uns einen Strich durch die Rechnung. Trotzdem genossen wir den Anblick der Berge und machten dort Mittagspause.

Dann ging es weiter nach Real de Catorce. Viele Leute hatten uns von diesem Ort erzählt und wir waren echt gespannt. In der Dämmerung nahmen wir die letzten 22km handverlegte Kopfsteinpflasterstraße und kamen am Parkplatz an, der an den Tunnel grenzt der in die Stadt führt. Reinfahren konnten wir nicht, denn Bruno ist zu hoch. Also schliefen wir vor der Stadt und froren uns den Hintern ab. Richtig kalt wars. Ohne es zu bemerken waren wir auf 3000m Höhe gelandet.

Am nächsten morgen wollten wir dann in die Stadt und warteten vergeblich auf die Taxis, die einen durch den 2,5 km langen, engen Tunnel fahren. Also mussten wir laufen, was nicht wirklich spaßig war. Auf der anderen Seite angekommen wurden wir von einer Straße voller Souvenierstände begrüßt. Hm, unter einer „Geisterstadt“ hatten wir uns was anderes vorgestellt. Wir liefen eine Stunde durch diese Touristenhochburg und versuchten den Reiz oder Charm zu finden, den die anderen wohl sahen. Wir fanden ihn nicht und auch kein Taxi, dass uns zurück zu Bruno brachte. Also trotteten wir zurück durch die staubige Dunkelheit und entschieden noch am selben Tag zurück zu Nacho nach Tamasopo auf den Campingplatz zu fahren.
Übrigens wissen wir jetzt im Nachhinein warum man Real de Catorce toll finden soll: Wegen der Pejote-Kakteen die dort als illegales Rauschmittel in einer Zeremonie verwendet werden und wegen dem Film „The Mexican“ mit Julia Roberts und Brad Pitt der in Real de Catorce gedreht wurde.

In Tamasopo kamen wir im Dunkeln an und fielen einfach nur ins Bett. 3 Tage, 2000 km, aber zum Glück erfolgreich. Der Rest der Truppe war schon weiter südlich unterwegs, aber wir entschieden uns trotzdem noch für einen Tag Auszeit bevor wir weiter fuhren. Wir schliefen aus, frühstückten spät und ausgiebig, machten die ein oder andere Arschbombe und genossen die Zweisamkeit. Das nächste halbe Jahr Mexico kann kommen! Hoffen wir, dass dann endlich die Grenzen nach Süden offen sind.

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