Tag 920-933 | Chame Banks, Lago El Flor, Santa Catalina, Veraguas / Sarigua Nationalpark, Herrera / Panama Stadt, Panama

Tag 920-933 | Chame Banks, Lago El Flor, Santa Catalina, Veraguas / Sarigua Nationalpark, Herrera / Panama Stadt, Panama

Von Gamboa gings also mit einem großen Einkaufsstop nach Chame. Dort warteten schon Nadine und Rosi mit ihren Backpacks auf uns und es ging offroad die Küste hoch bis wir einen netten Stellplatz unter Bäumen fanden. Kurz darauf kamen auch Katja und David nach und wir konnten uns ein gemütliches Camp aufbauen. 2 Tage lang blieben wir zu sechst dort und genossen die Ruhe. Hanno und ich blieben dann noch eine dritte Nacht, da wir eigentlich auf die Fertigstellung unserer Trittstufe und der Container-Räder warteten. Vergeblich. Weiterhin hörten wir die bereits bekannten „2 Tage“, egal wann wir fragten.

Wir verloren die Geduld und entschieden uns doch noch weiter von Panama Stadt weg zu fahren, da wir mit einer positiven Nachricht in den nächsten Tagen einfach nicht mehr rechneten. Und wir sollten Recht behalten.

Zur Dämmerung kamen wir am Lago el Flor an und trafen auch Katja und David. Gemeinsam versackten wir wieder mit einem gemütlichen Abend. Hier im Hochland war es deutlich kühler und wir genossen es die Pullis auszupacken und in der dicken Bettdecke zu schlafen. Wir bleiben dann auch hier insgesamt 3 Nächte, da wir dachten wir bekommen endlich Info zu den Containerrädern. Am dritten Tag wussten wir aber auch hier nicht mehr, was wir tun sollen und langsam stieg auch die Verzweiflung darüber, dass uns die Zeit davon läuft, wir viel zu viel Geld bezahlt hatten und für unseren Plan B, eine Fertigung und Versand aus Deutschland, eigentlich keine Zeit mehr blieb. Die Laune litt und die Wut auf all die kleinen Lügen die wir immer wieder hörten, stieg.

Also fuhren wir nochmal 200 km weiter von Panama Stadt weg bis nach Santa Catalina. Dort trafen wir auch noch ein letztes Mal auf Nadine und Rosi, die in Richtung Costa Rica unterwegs waren. Die beiden schliefen in einem Hostel mit unsympathischen Besitzern. Wir entschieden uns daher fürs Wildcampen am Strand nebenan. Die nächsten zwei Tage verbrachten wir dann mit Surfen. Die Wellen waren ok, aber nicht hervorragend, aber alles besser als auf unseren Hintern zu sitzen und über das Containerräder-Problem zu grübeln.

Da die Frage jetzt schon mehrfach aus den verschiedensten Ecken kommt, hier noch eine kurze Erklärung: Die Panamericana hat im Süden Panamas eine 100 km lange Unterbrechung. Die Straße endet und es folgt der Darien Gap. Dieses Gebiet ist besetzt, hat keine Straßen und es gibt keinen Grenzübergang nach Kolumbien. Das ist die Route von Flüchtlingen und Drogenschmugglern und alleine das Aufhalten dort ohne vorherige Anmeldung und Guide ist illegal. Daher muss Bruno leider nochmal aufs Boot. Die Überfahrt dauert nur einen Tag, aber die Betreiber der Fähren bzw. Containerschiffe haben ein Monopol, was diese kurze Strecke genauso teuer macht, wie damals die Verschiffung von Antwerpen nach Kanada. Kurz gesagt, wir haben trotzdem keine Wahl, wenn wir nicht wieder nach Norden fahren wollen. Die Route ist bekannt dafür, dass Autos und Camper aufgebrochen werden und alles was nicht niet- und nagelfest ist, wird geklaut. Schützen kann dann eigentlich nur der verplombte Container, aber auf den normalen Reifen ist Bruno zu hoch für diesen. Also gibts die komplizierten Containerräder (hoffentlich bald mal irgendwann) und wir hoffen so etwas günstiger und sicherer in einem High Cube Container zu verschiffen. Wir selbst und auch Chico fliegen dann die Stunde bis Cartagena.

Dann kam endlich die Nachricht, dass der Prototyp fertig ist. Also packten wir am Sonntag, luden Nadine und Rosi noch in Santiago ab und fuhren die gut 360 km wieder zurück. Die Strecke ist zu lang und schlecht geteert um es wirklich entspannt an einem Tag zu schaffen, deshalb sind wir in zwei Etappen gefahren. Die Nacht hielten wir im Nationalpark Sarigua und fühlten uns wie in einer anderen Welt. Der Staub prasselte heiß auf Brunos Wände und Nachts wurde es dann erstaunlich kalt. Am nächsten Morgen machten wir dann noch eine Wanderung, bis die Sonne uns den Nacken verglühte und es ging zurück nach Panama. Wir hielten noch in einer Shopping Mall und erledigten ein paar Dinge. Neues Oberteil zum Surfen und Flipflops für Hanno, neuer Bikini für mich. Außerdem gab es dann noch eine Induktionskochplatte, da es doch erstaunlich schwer ist, zwischenzeitlich den reinen Alkohol fürs Kochen zu finden.

Am nächsten Tag ging es dann zu unserem Prototypen. Statt einen hatten sie direkt alle 4 gefertigt und nach einer kurzen Kontrolle der Arbeit war der Ärger groß. Brunos Gewicht lastet auf der Aussparung der Radnabe und genau diese Aussparung hatten die Herrschaften angespitzt. Das war regelrecht eine Klinge und man konnte Gemüse darauf schneiden. Definitiv wollten wir darauf nicht je eine Tonne von Brunos Gewicht lagern. Wir legten Veto ein und stellten zusätzlich die Frage vor allen Beteiligten, ob unsere technische Zeichnung direkt im Müll gelandet ist und der 5 jährige Sohn die Schweißnähte (mit zentimetergroßen Löchern) gezogen hatte. Milde gesagt, wir waren sauer und schockiert über die schlechte Arbeit. Zudem bekamen wir bereits verrostetes Material vorgelegt, obwohl wir 400$ für (angeblich) den Kauf des neuen Rohmaterials anzahlen mussten. Unsere technische Zeichnung wurde komplett ignoriert und irgendwer hat sich dann selbst irgendwas zusammen gereimt. Sogar Dinge die wir mehrfach im Vorgespräch abgelehnt hatten, wie die Querstreben, hatte man trotzdem umgesetzt. Zum Haare raufen!

Unsere Trittstufe kam dann auch und war schön schwarz lackiert. Als wir sahen, wie der Schweißer die fehlenden Löcher zur Befestigung vermaß, behielten wir die Stufe ein. Die wären total in die Hose gegangen und wir machten es lieber selbst. Nach kurzer Zeit wurde uns dann auch klar, warum die Stufe schon lackiert war. Das komplette Material drunter war verrostet und das wollte man uns wohl verheimlichen. Das Tüpfchen auf dem i und langsam merkten wohl alle Beteiligten, dass wir kurz vorm Überkochen sind.

Besänftigt wurden wir dann mit einer neuen Lackierung des IVECO Logos und vielen Versprechungen. Außerdem fuhr Hanno mit zur Werkstatt um sich selbst ein Bild zu machen. Ich sollte stattdessen mit Chico zu Alejandros Pool fahren und eine runde Entspannen. Nee ist klar. Da sieht man wieder, wie hier so das Frauenbild ist. Nach zwei Tagen Diskussionen entscheiden wir dann wieder zu fahren. Sie würden versuchen ein Rohr mit exaktem Innendurchmesser zu finden und wollten dieses dann in die 4 Prototypen einschweißen um die verkorkste Radnaben-Auflagefläche flach zu bekommen. Keiner sah es ein die Teile neu zu machen, stattdessen wurden die kompliziertesten Wege gegangen. Nicht schön mit anzusehen, aber am Ende dachten wir uns dann auch, solange es am Ende passt soll uns egal sein wie viel Arbeit sie reinstecken. Man sagte uns es würde eine Woche dauern. Also machten wir uns wieder raus aus der Stadt und nahmen unsere eigens verzinkte Stufe direkt mit. Hoffentlich würde sie wenigstens den Rest der Reise durchhalten.

Immerhin klappte sonst alles gut in der Stadt. Wir trafen uns ein letztes mal mit Katja und David bevor die die Heimreise antraten und gingen gemeinsam Essen und Cocktails trinken. Dann waren wir nochmal am Impfzentrum und die bekamen es tatsächlich auf die Reihe uns ein europäisches Impfzertifikat auszustellen, welches sogar in der App auftaucht.

Trotzdem gefällt uns die Stadt von Mal zu Mal schlechter. Die Schere von Arm und Reich ist uns zu extrem. Am Anfang fällt es nicht auf und man ist begeistert von den Wolkenkratzern, der Skyline und den modernen Straßen und Geschäften. Beim genaueren Hinschauen findet man dann schnell die dunklen Ecken und sobald man einmal von A nach B durch die Stadt fährt kreuzt man kurz nach dem Business Vierteln die Slums, wo Kinder im Dreck spielen, sich der Müll stapelt und die Leute in maroden Wohnungen hausen. Fast ein bisschen schade, dass wir die rosarote Brille in Panama verloren haben. Bis dato (und auch beim ersten Besuch in 2016) war Panama Stadt eine unserer absoluten Lieblingsstädte in Zentralamerika gewesen.

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