Tag 23-26 | immer noch Ottawa, Ontario, Kanada

Tag 23-26 | immer noch Ottawa, Ontario, Kanada

Nach unserem schönen Wochenende auf dem Bluesfest kam Montag Vormittag unser Paket aus Deutschland an. Schnell waren wir ernüchtert. Die bestellte Kupplung war die falsche. Unser Bruno scheint ein ganz schöner Zwitter zu sein. Teilweise sind Teile aus dem Modell der 80er Jahre verbaut, teilweise aus den 90ern. Wir kennen ja nur seine Erstzulassung von 1992 und vermuten mittlerweile, dass er mehrere Jahre vorher gebaut wurde.

Also zogen wir mit der alten Kupplung los und ließen sie neu abschleifen. Auch die sagten (wie unser Werkstatt-Opi), dass die noch gar nicht so schlecht aussieht. Also ab zur Überarbeitung, alles fein säubern und wieder rein damit.

Unser Experte fürs Allradgetriebe ließ sich schön Zeit. Seit Freitag hieß es täglich „morgen“ bekommen wir das Getriebe zurück. „Morgen“ war dann leider erst der darauffolgende Freitag und vermutlich auch nur, weil wir uns mit Kaffee bei denen in die Bude setzten und deutlich machten, dass wir erst wieder gehen, wenn das Getriebe im Kofferraum vom Mietwagen liegt.

Mittwoch und Donnerstag hatten wir wieder an der Hebebühne der Werkstatt verbracht. Zu unserem großen Erstaunen haben wir echt alles wieder montiert bekommen. Nur eine einzige Unterlegscheibe ist übrig geblieben von all den Teilen, die wir ausgebaut hatten. Selbst das normale Getriebe mit all seinen Kilos ging besser wieder rein als gedacht. Trotzdem waren wir permanent schweißgebadet. Ein bisschen aus Respekt vor dem was wir da taten und sehr viel, weil die Hitzewarnung kein Scherz gewesen war. Knapp 40 Grad, kein Windchen und nicht mal ne Abkühlung am Abend. Puh! 

Donnerstagabend starteten wir Bruno dann das erste Mal. Man rutschte mir da das Herz in die Hose. Aber kraftvoll wie eh und je, erwachte Bruno beim ersten Drücken des Startknopfs zum Leben. Der generalüberholte Anlasser, den wir zwischenzeitlich auch zu einem Experten gebracht hatten und der mit neuen Kohlen und neuem Magnetschalter zurück kam, lässt uns hoffen, dass wir nun nicht mehr so häufig unsere Pausen verlängern müssen, weil Bruno nicht startet.

Freitag checkten wir dann, nachdem wir schon 2 mal verlängert hatten, aus dem Studentenwohnheim aus. Also musste Bruno uns langsam aber sicher (nach unglaublichen 2 Wochen!) wieder zur Verfügung stehen. Sonst hieß es im Mietwagen pennen. 

Mit dem Allradgetriebe gings dann Freitag den dritten Tag in Folge in die Werkstatt. Nachmittags war dann alles wieder drin. Zwischenzeitlich hatte ich sogar im Müllcontainer gestanden und einen großen Müllsack auf Links gedreht, da wir beim Ausbau vor 2 Wochen ein Teil weggeworfen hatten, was definitiv zu unserem Geschwindigkeitssensor gehörte. Ein Mitschrauber hatte, als wir ihn fragten, ob er das Teil kennt gemeint, dass wäre von irgendeiner Verpackung seiner Bremsen. Oh man! Nach ner Stunde fand ich das schwarze ca. 1,5 cm große Röhrchen dann in den staubigen Überbleibseln des ausgekippten Müllsacks. Grandios! Glück gehabt.

Dafür leckt unser Allradgetriebe, weil irgendein Spezi vor unserer Zeit die Ölauslassschraube zu stark eingedreht hat und damit das Gehäuse gesprengt hatte. Unser Vorbesitzer hatte es schon geflickt, aber der Kleber löste sich. Also ab in den Baumarkt, Öl wieder ablassen, alles trockenlegen und Kleber drauf.

Mit vier Stunden Verzug dann ein abschließender Check der Schrauben, der Gangschaltung, der Verbindungen und Halterungen, der Kupplung, der beweglichen und elektrischen Teile und der Öle.

Ich wär am liebsten weggelaufen. Ich wollte nix sehen und noch viel weniger was hören. Aber tada! Bruno fuhr! 

Eigentlich erwartet man, dass man Schreit vor Freude, sich in den Armen liegt und glücklich ist. Wir waren aber einfach nur unsicher. Nicht froh, nicht glücklich sondern einfach nur ratlos. Hörte Bruno sich jetzt gut an? Funktionierte alles? Gab es neue Geräusche? Was klappert da im Leerlauf? Haben wir alles richtig gemacht? Warum flackern die Leuchten fürs Differenzial?

Hanno drehte eine kleine vorsichtige Runde und parkte dann vor dem Werkstattgelände. Wir zogen vom Mietwagen all unsere Klamotten zurück in Bruno um und schliefen die erste Nacht wieder in unseren eigenen 4 Wänden.

Am nächsten Morgen hieß es dann Tschüss sagen. Wir besorgten unserem Werkstatt-Opi noch Hotdogs, Brötchen und Weintrauben zum Abschied (damit versorgte er uns am ersten Tag unserer Strandung, da wir etwas unorganisiert und nicht mobil waren).

Nach nem festen Drücker stieg Hanno in Bruno und ich in den Mietwagen. Den brachten wir zurück und fuhren dann 30 km mit Bruno zum nächsten Campingplatz in Ottawas Umland. Anders als zu Beginn unserer Tour, ohne Musik und schweigend. Wir hörten nur Geräusche. Alles machte einem Angst, alles kam einem ungewöhnlich und falsch vor.

Wir kamen aber ohne Panne am Camping an und wurden sehr nett begrüßt. Jeder wollte Bruno sehen. 

Für uns hieß es erst einmal: 3 Tage runterkommen, entspannen.

Gut ist noch nicht wirklich alles. Das Getriebe tropfte noch immer, im 5. Gang nimmt Bruno kein Gas an und die Geräusche sind uns weiterhin nicht geheuer (vielleicht sind wir bei den Geräuschen aber auch einfach zu empfindlich).

Wir werden sehen, was die nächsten Kilometer so bringen…

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